8 220. Zweites Kapitel: Aufschwung Frankreichs, der Niederlande u. Großbritanniens. 371
auch, wenn sie unfähig seien und die öffentliche Wohlfahrt das fordere". ^—
Zur Stärkung des Königtums diente weiterhin seine Sorge für ein schlagfertigesHeer und für eine brauchbare Marine. — Endlich sollte auch wie früherschon (H 189 s Pas geistige Leben dem Glänze des Königtums dienen. Sotrat Richelieu als Gesetzgeber der französischen Literatur auf, indem er durchGründung der aus vierzig Mitgliedern bestehenden französischen Akademieeinen obersten Gerichtshof des Geschmacks und der Sprache aufzustellen suchte(8 257), und förderte damit auch die Blüte der französischen Literatur (8 358).
Während er so im Innern alles tat zur Erhebung der Monarchieüber jeden besonderen Willen, hatte er auch nach außen hin große Er-folge. Wir wissen, wie geschickt er den Gang des DreißigjährigenKrieges ausnutzte: die Entlassung Wallensteins und Gustav AdolfsErfolge schwächten die Macht Habsburgs (8 201 sf.); der Tod des Schweden-königs und die Nördlinger Schlacht steigerten Frankreichs Einfluß inDeutschland (8 207, 210). Nun erklärte Richelieu an Spanien den Kriegund griff bald unmittelbar in den deutschen Kampf ein: Bernhard vonWeimar trat in französische Dienste, wollte aber den Gewinn seiner Siegenicht an Frankreich überlassen; sein Tod beseitigte diese Gefahr und ver-schaffte Frankreich ein tüchtiges Heer (8 212). Savoyen, wo Ludwigs XIII.Schwester Christine, die Witwe des 1637 gestorbenen Viktor Amadeus I.,die vormundschaftliche Regierung für ihren Sohn Karl Emanuel II. über-nahm, kam ganz unter französischen Einfluß (8 122), eine französischeFlotte siegte bei Genua über eine spanische, die Niederländer kämpftenerfolgreich gegen Spanien (8 222), durch den von Richelieu unterstütztenAufstand in Katalonien schien dieses Land an Frankreich kommen zukönnen (Z 242), Portugal erhob sich unter dem Herzog von Braganza r««ogegen Spanien (8 244), der spanisch gesinnte Stuartkönig war durch dieRevolution gelähmt (8 229 ff.). Durch all das ging diespanischeMachtZurück, während das Ansehen Frankreichs stieg. Daß Richelieuuuch die unter Heinrich IV. begonnenen kolonialen Unternehmungenenergisch förderte, werden wir später darzustellen haben (8 274).
Bevor all diese großen europäischen Kämpfe ausgetragen waren, starbRichelieu, bald nachdem er die Verschwörung des Cinq-Mars niederge-^ ^Morsen hatte. Zu seinem Nachfolger hatte er dem Könige den KardinalRiazarin empfohlen.
Dem Geistlichen, der ihn aufforderte, seinen Feinden zu verzeihen, antwortete er: „Ichhabe nie andere Feinde gehabt, als die Feinde des Staates und des Königs." Darin liegtdas Geheimnis seines Erfolges: er vertrat die wahren Interessen der Nation. Allerdingsüat er wie ein König auf: er umgab sich mit einer zahlreichen Dienerschaft und einem Ge-lolge von jungen Adligen, er hielt glänzende Tafel, hatte einen großen Marstall, baute sichprächtige Paläste, vor allem das „Palais Cardinal", das nach seinem Tode als PalaisKohal an die Krone fiel, sammelte wertvolle Kunstwerke und eine reiche Bibliothek: aberd« alle dem überwog nie sein persönliches Interesse das des Staates. Für das Königtum"sh°üete er, und sein König, so unbedeutend er auch war, hat wenigstens die eine große,scht königliche Tugend bewährt, in den entscheidenden Augenblicken trotz aller Ränke an>Elnem Minister festzuhalten.
8 220. Mazarin und die Fronde (1642-1653). Ludwig XIII.folgte seinem großen Minister bald in den Tod nach; damit ging die Krone ".Maiouf seinen noch nicht fünfjährigen Sohn Ludwig XI V. über. Ludwig XIII.hotte zu Richelieus Nachfolger den von diesem selbst empfohlenen Kardinal^nilio Mazarini (Mazarin) ernannt und bestimmt, daß währendoor Minderjährigkeit seines Sohnes seine Witwe Anna zwar Rcgentin
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