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Dritter Band.
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372 Drittes Buch: Ende der spanisch-katholischen Vorherrschaft (1618—1660). Z 220.

sein, die Leitung der Geschäfte aber einem Regentschaftsrate unter Maza-Nst«rnch rins Vorsitz zustehen sollte. Indes Anna von Österreich (Spanien)war mit dieser untergeordneten Stellung nicht zufrieden; und da derHochadel und die Magistraten unter ihrem Regiment eine Wiederherstellungihrer von Richelieu geschwächten Machtstellung erhofften, so wurde ihres. Mai ie« unter Zustimmung des Parlaments die volle Regierungsgewalt, wie sieeinst die Mediceerinnen (8 141, 217) geübt hatten, übertragen. Man er-wartete nun einen vollständigen Wechsel der inneren und äußeren Politik,indes Anna hielt an den Zielen Richelieus fest. Sie war nicht gewillt,die Schranken der Königsmacht, die er niedergerissen hatte, wiederaufzu-richten und erwarb sich das hohe Lob, ihre Sympathien für Spanien, dasLand ihrer Geburt, hinter sich zu lassen und ganz als Französin zu handeln.Sie bestätigte Mazarin als leitenden Minister, und nun verbandensich zwei Nichtfranzosen, eine Spanierin und ein Italiener, zu einerPolitik, die ausschließlich die Größe Frankreichs im Auge hatte.

Mazarin Giulio Mazarini entstammte einer sizilianischen Familie. Geboren am 14. Juli 1602,

gest. iksi studierte er in Rom und Alcala, trat 1622 in den päpstlichen Militärdienst und war 1624päpstlicher Hauptmann im Veltlin (Z 197). Er war als Vertreter des Papstes beim Ab-schluß des Friedens von Cherasco (8 208) beteiligt und wurde dabei mit Richelieu bekannt.Nachdem er in den geistlichen Stand eingetreten war, wurde er 1634 päpstlicher Nuntiusin Paris, wirkte hier im französischen Interesse und wurde deshalb 1636 abgerufen. 1639verließ er den päpstlichen Dienst, ging nach Paris und erhielt 1641 auf Richelieus Ver-mittlung den Kardinalshut. Nach Richelieus Tod wurde er der Erbe seines Amtes undseiner Ideen. Er gewann das volle Vertrauen der Königin Anna und lebte mit ihr sointim, daß man sogar von einer geheimen Ehe sprach.

Auswärtige Sehr zustatten kamen der neuen Regierung die auswärtigenEr-° folge. Am Tage nach ihrer Einsetzung gewann Ludwig II. von Bourbon-IS. Mai 1643 Enghien (der große Conde) bei Rocroy über die Spanier seinen erstengroßen Sieg (H 213), bald daraus eroberte er Diedenhofen. In den nächstenJahren kämpfte er im Verein mit Turenne in Deutschland (Freiburg,1644, Isis Mergentheim, Altersheim), eroberte dann Dünkirchen und siegte bei L e n s164«, i«48 in den Niederlanden (ß 213). Zugleich erkämpfte sich die französische Flottetrotz der unglücklichen Schlacht von Ortibello feste Stützpunkte auf der164 « Insel Elba und in Piombino; dazu aber waren den Franzosen die Aus-stände von Nutzen, mit denen die spanische Regierung in Sizilien, Neapel,Katalonien (§ 242) und Portugal (§ 244) zu ringen hatte. Im West-fälischen Frieden gewann Frankreich dann auf Kosten der deutschen1648 Habsburger wertvolle Gebiete am Rhein und erlangte die Möglichkeit, diegewonnene Macht zu erweitern (§ 215). Es war das die Krönung der vonRichelieu Deutschland gegenüber befolgten Politik; der Krieg gegen Spanienwar freilich noch nicht beendet.

OoÄuon Trotz dieser Erfolge regte sich aber im Innern bald wieder dieOpposition. Es begann der letzte große Kampf gegen das absolute König-tum, in dem sich der Adel und das Parlament verbanden, um die Ent-fernung des Ministers zu bewirken. Anfangs kämpfte man dabei gegenunzweifelhafte Mißstände; dann aber handelte es sich in dem Krieg der1648 -I 6 S 3 Fronde in der Hauptsache um die Erhaltung alter Standesvorrechte.Eigennutz und persönliche Triebfedern bestimmten die Rolle, welche dieHandelnden wählten und nach den Umständen wechselten; Jntrigen undgalante Verhältnisse buhlerischer Frauen übten großen Einfluß auf denGang der Ereignisse; an das Wohl und Wehe des Volkes dachte kaum jemand;