376 Drittes Buch: Ende der spanisch-katholischen Vorherrschaft (1618—1660). Z 221.
dingung gestellt wurde, keinem Feinde Frankreichs Vorschub zu leisten,also auch den Spaniern keine Hilfe zu gewähren (8 296).
^r°sds"" In Madrid wünschte man nun den Frieden, und Mazarin hegte dengleichen Wunsch; er wußte, wie schmerzlich es vielen Franzosen war, daßder große Conde noch immer in den Reihen der Feinde kämpfte, dazus.S-pt. iW8 war es unsicher, ob nach Cromwells Tode das englische Bündnis fort-bestehen würde. So wurde denn bei einer Zusammenkunft Mazarins mitdem spanischen Minister Luis de Haro auf der im Grenzflüsse Bidassoai.N°». i6ssgelegenen Fasaneninsel der Pyrenäenfriede geschlossen. Frankreicherhielt im Norden die Grafschaft Artois mit der Stadt Arras, einigeStädte Flanderns und Diedenhofen, im Süden die Grafschaft Roussillon(erst dadurch wurden die Pyrenäen in ihrer ganzen Ausdehnung die Grenzebeider Staaten) und behauptete die Alpenfestung Pinerolo; England be-hielt Dünkirchen. Mazarin versprach, die Portugiesen nicht mehr zu unter-stützen (8 245) und Conde in seine Würden wieder einzusetzen. AußerdemWurde die Ehe Ludwigs XIV. mit Maria Theresia, der TochterPhilipps IV., verabredet. Mazarin opferte hierbei das Glück seiner NichteMaria Mancini (siehe unten) und brachte auch den König dahin, seineNeigung dem Staatswohl nachzusetzen. Im nächsten Jahre wurde die4. Juni ikso Vermählung mit großer Prachtentfaltung vollzogen, erst auf spanischems. Juni isM Boden in Fuentarabia, dann auf französischem in St. Jean de Luz. Aufspanischen Wunsch mußte die Jnfantin auf die Erbfolge in Spanien ver-zichten, doch sollte dieser Verzicht nur gültig sein bei pünktlicher Aus-zahlung der vereinbarten Mitgift. Der Pyrenäenfriede war Mazarins letztesgroßes Werk: er besiegelte das Ende der spanischen Vorherrschaft;an Spaniens Stelle trat Frankreich.
Mazarins Anderthalb Jahre nach dem Friedensschluß ist Mazarin gestorbenS-Miirz 1661 irn Vollbesitze des höchsten Ansehens nach außen und innen. L-ein Todtrat in dem Augenblicke ein, als der König seiner überdrüssig zu werdenanfing und sich sehnte, die Zügel der Herrschaft in die eigene starke Handzu nehmen. Mazarin scheint eine Ahnung davon gehabt zu haben: alsihn in seiner Krankheit jemand damit tröstete, daß niemand in Frank-reich seinen Tod wünsche, antwortete er: „Einer wünscht ihn." Dieschmerzliche Erfahrung eines unvermeidlichen Konflikts mit seinem Königeblieb ihm durch seinen Tod erspart.
Wie Richelieu führte auch Mazarin einen fürstlichen Haushalt und hinterließ einunermeßliches Vermögen, herrliche Paläste, wertvolle Bücher und Kunstfchätze. Seine Biblio-jhek vermachte er dem von ihm gegründeten „Kollegium der vier Nationen". — Wie großsein Ansehen war, zeigen auch die Ehen seiner Nichten. Anna Maria Martinozzi heirateteden Prinzen Conti (H 220); berühmter sind die fünf Töchter seiner mit dem römischenPatrizier Lorenzo Mancini verheirateten Schwester Hieronyma. Laura Mancini wurde1651 mit dem Herzog Ludwig von Mercoeur-Vendöme, einem Enkel Heinrichs IV. und derschönen Gabriele <Z 149), verheiratet, starb aber schon 1657. — Olympia Mancini warJngendgespielin Ludwigs XIV. und gewann dessen Neigung; aus einer Ehe wurde jedochnichts; so vermählte sie sich 1857 mit Engen Moritz von Savohen, Grafen von Soissons,und wurde die Mutter des berühmten Prinzen Eugen; in Hofintriguen verwickelt, mußtesie 1679 fliehen und starb 1708 in Brüssel. — Zu Maria Mancini faßte Ludwig XIV-eine viel tiefere Neigung als zu der Schwester, und auch sie war ihm seit 1658 in heißerund reiner Liebe zugetan- Ihre Hoffnung auf eine Vermählung mit dem Geliebten zer-störte die Königin Anna, deren Willen sich Mazarin fügte. Im Interesse der geplantenspanischen Heirat wurden die Liebenden 1659 getrennt, und dann zwang Mazarin seineNichte, sich mit einem Fürsten Colonna, Connetable von Neapel, zu verloben. Die Heiratfand 1661 nach Mazarins Tode statt; Maria aber entfloh 1672 in Männerkleidern aus Italien