8 222. Zweites Kapitel: Aufschwung Frankreichs, der Niederlande u. Großbritanniens. 377
nach Frankreich; Ludwig XIV. wies sie ab, und nun irrte sie unter vielen Abenteuern inder Welt herum und soll 1715 in Madrid gestorben sein: ein Opfer der Staatsraison. —llm Hortensia Mancini, die als schönste Frau der Zeit galt, bewarben sich Karl Ema-nuel II. von Savohen und der entthronte englische König Karl II.; Mazarin vermähltesie aber 1661 mit Armand la Porte de La Meillerahe und machte diesen zum Herzog vonMazarin; 1672 entfloh sie dem Gatten, lebte in London im Kreise von Dichtern und Ge-lehrten und starb dort 1699. — Maria Anna vermählte sich 1662 mit Godefroi de laTour, Herzog von Bouillon, und starb 1714. — Dem Bruder dieser fünf Schwestern,
Philipp Julius Mancini-Mazarin, verlieh Mazarin das 1659 gekaufte Herzogtum Revers.
L. Die Blütezeit der Niederlande.
§ 222 . Der zweite Krieg gegen Spanien ( 1621 — 1648 ). Die Nieder- AZenlpa-lande unter oranischer Leitung. Durch den zwölfjährigen „Bestand" von "Wisch-«'1609 hatte Spanien den nordniederländischen Skaat vorläufig anerkannt nri-g-s(8 136). Als dieser Vertrag ablief, begann jedoch der Krieg sofort wieder.
Die oranische Partei, die soeben auf der Synode von Dordrecht ge-siegt hatte (Z 137), wünschte ihn; dazu aber kam, daß damals die habs-burgisch-katholische Politik ihren großen Angriff in Deutschland begonnenund im böhmisch-pfälzischen Kriege bedrohliche Erfolge errungen hatte (8195).
Der zweite spanisch-niederländische Krieg hängt denn auch mit iWi-isisdem Dreißigjährigen eng zusammen; ergänzt wird er noch durch die über-seeischen Unternehmungen der Niederländer (8 224).
An der Spitze der Niederlande stand während des Krieges zunächst nochMoritz von Oranien, dann dessen Halbbruder Friedrich Heinrich(8 137). Dieser war vielleicht nicht als Feldherr, sicher aber als Staats- Heinrichmann bedeutender als sein Bruder; er bekundete das auch darin, daß er dieschroffen inneren Gegensätze, die einer kräftigen äußeren Politik hinderlichwerden konnten, durch größere Duldsamkeit gegen die Remonstranten zumildern suchte (8 137). Er verstand es, seiner Statthalterwürde einenfast monarchischen Charakter zu geben, nahm z. B. den Titel „Hoheit" an;zustatten kam ihm dabei eben der dauernde Kriegszustand, der ihn un-entbehrlich machte, seine Stellung wesentlich hob und seiner Partei dasÜbergewicht verlieh.
Der Krieg selbst war in der Hauptsache ein Festungskrieg um die D-rKri-gniederländisch-spanischen Grenzlande. Anfangs errangen die Spanierunter Spinola einige Erfolge; diese wurden auch durch Ernst vonMansfeld, der die Schlacht von Fleurus schlug und zeitweilig in 2 g.Aug.i 622niederländischen Diensten stand (8 196), nicht wesentlich beeinträchtigt underreichten ihren Höhepunkt in der Eroberung von Breda. Dem antispani- 2 . Juni 1625scheu Bündnis, das sich beim Beginn des niedersächsischen Krieges bildete(8 197), gehörten auch die Niederländer an. Als einen großen Erfolg be-trachteten sie es, als Piet Hein eine reiche spanische Silberflotte im Hafendon Matanzas (östlich von Habana) wegnahm; im nächsten Jahre eroberte i«-'8dann Friedrich Heinrich das wichtige Herzogenbusch. Das fiel zusammen 14 .Sept.i 62 sinit der ungünstigen Wendung, die für Spanien-Habsburg der Fall vonLa Rochelle, die Behauptung Stralsunds, der Mantuanische Erbfolgekrieg,die Entlassung Wallensteins und das Eingreifen Gustav Adolfs mit sichbrachten (8 201, 202, 203, 218). All das kam natürlich den NiederländernKigute; dazu kämpften sie aber auch selbst weiter siegreich gegen die SpanierEine spanische Flotte erlitt bei der Insel Tholen in der Osterschelde (derSlaak) eine schwere Niederlage, und im nächsten Jahre eroberte Friedrich S-pt. issi