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Dritter Band.
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408 Drittes Buch: Ende der spanisch-katholischen Vorherrschaft (1618—1660). Z 242.

1601 war das von der Londoner Kompanie in Virginien gegründete Jamestown; doch gediehdie Kolonie erst, seitdem 1616 der Tabakbau begann, dem dann bald (1619) die Einfuhrvon Negersklaven folgte. Die 1621 eingeführte Verfassung behielt der Kompanie die Ein-setzung des Gouverneurs und eines Rates vor, überließ aber den Kolonisten die Wahl vonDelegierten, die mit jenen zusammen ein Parlament bildeten. Diese Verfassung blieb be-stehen, als Virginien unter Auflösung der Londoner Kompanie 1624 zur Kronkolonie er-klärt wurde, und ist in vielen englischen Kolonien nachgebildet. Die Plymouth-Kompaniebeschränkte sich in der Hauptsache auf den Fischfang; die Besiedlung des Nordens (Neu-Eng land) wurde erst durch die Puritaner begonnen. Sie verließen infolge des von derHochkirche geübten Druckes die Heimat (Z 228) und zogen als Pilgrims (Pilgerväter)1620 hinaus in die neue Welt. Ihre erste Niederlassung war (Neu-)Plymouth; sie schufendann die Kolonie Massachusetts, deren Hauptort das 1630 angelegte Boston wurde;von hier aus wurden Rhode-Jsland (Providence 1636) und Connecticut (New-Haven) be-siedelt. Diese Kolonien entwickelten sich im ganzen günstig; schon 1638 hinterließ JohnHarvard eine große Summe für eine Theologenschule, aus der die erste Universität (HarvardCollege) erwuchs; auch schlössen sich diese Kolonien bereits 1643 zu der Union von Neu-Englandzusammen. Es herrschte in ihnen der calvinifche Glaube; nur in Rhode-Jsland wurdedie Religion als Privatsache erklärt. Mit katholischen Auswanderern gründete unter be-I 632 / 16 S 4 sonderer Begünstigung des Königs Lord Baltimore die nach der Königin benannte KolonieMarylaud.

Zwischen Neu-England und Virginien siedelten sich Holländer (Neu-Niederland 1614Z 224) und Schweden (Neu-Schweden 1630 Z 246) an; doch gingen diese Gebiete 1664in den Besitz der Engländer über (Z 223). — Nördlich von Neu-England, in Canada,hatten die Franzosen, als ihr Staat nach Beendigung der Hugenottenkriege unter Hein-richs IV. und Sullys verständiger Regierung auch wirtschaftlich aufstrebte, Fuß gefaßt(Z 149). Richelieu förderte diese Unternehmungen. Die Engländer aber suchten sie zu störenund eroberten, als sie in Europa während des Kampfes um La Röchelte (1628) Krieg gegen1622 Frankreich führten (Z 227), die Stadt Quebec, gaben sie jedoch bald wieder heraus.

So blieb Canada vorerst den Franzosen, entwickelte sich aber viel wenigergünstig als die englischen Kolonien. In Canada war die Zahl der Einwanderersehr gering, dazu stand das Land unter dem Druck der Jesuiten und unterstarker staatlicher Bevormundung; nach den englischen Kolonien strömten dagegenzahlreiche Einwanderer, die in politischer und religiöser Freiheit lebten. Zwischendem Norden (Neu-England) und-dem Süden (Virginien) bildete sichallerdings früh ein gewisser Gegensatz, indem dort der freie Ackerbauer überwog,hier der Plantagenbesitzer, der den Betrieb mit Sklaven einführte. DieserGegensatz hat schließlich (1861) zu dem Sezessionskriege geführt und wirkt nochheute fort.

v. Spanien und Portugal bis 1(700.

1. Spanien.

mA-E § 242. Spanien unter Philipp IV. Es ist in der bisherigen Dar-stellung schon oft betont worden, daß die spanische Politik während des17. Jahrhunderts in Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Eng-land Niederlagen erlitt- Der Niedergang, der im 16. Jahrhundert be-gonnen hatte (Z 160, 161), setzte sich damit fort, und zwar aus ähnlichenUrsachen wie damals. Philipp IV. war zwar an Geistesgaben und Cha-rakter das Gegenteil von seinem Großvater Philipp II.; während dieserseinen königlichen Pflichten alles unterordnete und alles selbst leitete(Z 117), war Philipp IV. genußsüchtig und arbeitsscheu, dabei von lächer-lichem Dünkel erfüllt, der ihn veranlaßte, sich selbst den „Großen" zunennen, und von einem übertriebenen Hang für Pracht und Etikette be-seelt, kurz geistig so minderwertig, daß man ihn als Idioten bezeichnethat — aber er hing doch wie sein Großvater an dem Gedanken derspanisch-katholischen Vorherrschaft. Die Durchführung dieses Gedankens