8 242. Zweites Kapitel: Aufschwung Frankreichs, der Niederlande u. Großbritanniens. 409
überließ er völlig seinem Günstling Gaspar de Guzman, Grafen vonOlivarez (später Herzog von Sän Lucar). Persönlich uneigennützig undernstlich bemüht, die Schäden des Staats zu heilen, z. B. dem unsinnigen EPrunk entgegenzutreten, hat Olivarez doch die überallhin ausgreifendeWeltpolitik nicht gehindert und deshalb den Verfall Spaniens, dessen Kräfteeiner solchen Politik jetzt noch weniger gewachsen waren als zur ZeitPhilipps II., nicht aufzuhalten vermocht. Diese Politik brachte demStaate von außen Niederlage auf Niederlage, steigerte durch die ge-waltigen Kosten die wirtschaftliche Notlage, bewirkte Aufständein den Provinzen und ermöglichte den Abfall Portugals.
Auf die auswärtigen Vorgänge brauchen wir im einzelnen Auswärtigesnicht nochmals einzugehen ; es genügt darauf hinzuweisen, daß der Ab-schluß des Mantuanischen Erbfolgekrieges (ß 203), das Ergebnis desDreißigjährigen Krieges (ß 216), der Ansgang des niederländischen Kampfes(tz 222), der Sturz der Stuarts und die Haltung Cromwells (Z 238), derSieg des französischen Königtums über die Frondeurs und der Phrenäen-friede (H 221), dazu die Entfaltung der niederländischen und englischenSeemacht (§ 224, 241) eine ununterbrochene Kette von Mißerfolgen fürSpanien bedeuteten. In allen europäischen Konflikten wirkte Richelieuund dann Mazarin mit besonderer Tatkraft gegen Spanien; Richelieuschürte aber auch die in Spanien selbst aushrechenden Ausstände.
Den Anstoß zu diesen Aufständen gab die innere Regierung. Wir Innererhaben früher gesehen, daß schon unter Philipp II. Spanien wirtschaftlichsehr zurückging (Z160); die Ursachen dieses Niederganges wirkten im 17. Jahr-hundert in verstärktem Maße fort. Um so bedenklicher war deshalb die viel-geschäftige Großmachtpolitik, um so schwerer drückten die steten Kriege. Diefinanzielle Lage des Staates wurde immer schlechter; neue, Handel und Industrienoch mehr belastende Abgaben wurden eingeführt, hochverzinsliche Anlehen (kaumunter 15 o/o) aufgenommen, Ämter und Krongüter verkauft, die Kolonien aus-gebeutet und das Recht der Pfründenverleihung in einer Weise ausgeübt, daßder päpstliche Stuhl Widerspruch erhob. Diese Negierungsweise war amleichtesten durchzuführen in Kastilien, wo der Absolutismus galt, schwierigergestaltete sie sich in den Provinzen, die noch Sonderrechte besaßen. Nun warzwar die Sonderstellung Aragons schon unter Philipp II. gebrochen (Z 160), dieStände Kataloniens aber hatten ihre Freiheiten, vor allem auch ihr Steuer-bewilligungsrecht, noch gewahrt. Olivarez wollte diese Privilegien vernichten undauch hier den Absolutismus durchführen; es lag das im Geiste der Zeit, wiedie Politik Richelieus und Straffords beweist, bewirkte aber eine Erhebungdes Landes, die, von Richelieu unterstützt, zu einem zwölfjährigen innerenKriege führte.
Ohne Genehmigung der Stünde Kataloniens legte die Regierung 1688 eine neue AusständeAbgabe auf alle eingehenden Waren und befahl eine Aushebung von 6000 Mann; die l.KatalonienStände protestierten, aber ihre nach Madrid entsandten Vertreter wurden gefangen gesetzt.
Als die Franzosen nun in Roussillon einrückten, benutzte Olivarez diesen Anlaß, umkastilianische Truppen nach Katalonien zu senden. Das widersprach den Privilegien desLandes (Z 160), und da man überzeugt war, daß diese Truppen daS Land niederhaltensollten, stieg die Erbitterung immer mehr. Es kam zu kleinen Tumulten und schließlichm Barcelona zu einem Aufruhr, bei dem der Vizekönig Santa Colonna ermordet?-Juni iswwurde. Die Katalanen setzten nun eine eigene Landesregierung ein, schlössen Bündnis mitFrankreich und erkannten Ludwig XIII. unter dem Titel eines „Grafen von Barcelona"als Oberherrn an. Auch in Aragon und Navarra zeigte sich gleichzeitig Neigung zu Auf-standen, in Portugal kam es zum offenen Absall (Z 244).
In Katalonien machten die französischen Truppen in den nächsten Jahren Fortschritte; islo-mmLudwig XIII. erschien selbst in Roussillon, und Richelieu trug sich mit der stolzen Hoff-