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Dritter Band.
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442
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442 Drittes Buch: Ende der spanisch-katholischen Vorherrschaft (1618—1660). 8 261.

4. Stern-kunde

Kepler

1571—1630

Galilei

1564—1642

Charakterd§s Barocks

beschluß verbrannt. Sein abtrünniger Sohn, Constant d'Aubigni, war der Vater derMaintenon (8 275).

Die Sternkunde machte trotz größter Schwierigkeiten, die ihr der rück-ständige Glanbenseifer bereitete. Fortschritte von weltgeschichtlicher Bedeutung.

Der Abkömmling eines verarmten Adelsgeschlechtes, Johannes Kepler aus Württem-berg, war endlich dem Hasse der Jesuiten zum Opfer gefallen und wegen des treuen Be-kenntnisses zum Protestantismus von seinem Lehrstuhle an der Grazer Hochschule vertrieben(Z 181), da erhielt er durch Brahc (8 191, 5) die Stelle eines Hofastronomen Rudolfs II.in Prag, in der ihn Matthias beließ. Zeit seines Lebens ist die Not seine Begleiterin ge-wesen. Bei der Flucht aus Graz schreibt er: „Ich bin bei Gott sehr arm. Meine Fraustammt aus einer vermöglichen Familie, aber ihr ganzes Vermögen besteht aus liegendenGütern, die jetzt völlig wertlos, ja unverkäuflich sind. Denn es ist verboten, die innerhalbder uns gesetzten Frist von 45 Tagen unverkauft gebliebenen Güter an Katholiken zu ver-pachten." „Aber lieber wollte er hungern als abfallen von der Augsburgischen Konfession."Als Lehrer der Mathematik in Linz seit 1614 wie für die Berichtigung der RudolfinischenTafeln (8 191) mußte er sich mit kärglichen Abschlagzahlungen begnügen. Nicht anders erginges ihm als Professor in Sagan, wo ihn Wallenstein angestellt hatte, lind seine der Hexereibeschuldigte Mutter vermochte er eben noch vor dem Flammentode zu retten, nicht aber aus demKerker. Um seine Ansprüche vor den Reichstag zu bringen, ging er 1630 nach Regensburg,starb aber bald nach seiner Ankunft an Erschöpfung. Anders als Brahe (8 191) stellte sichKepler entschlossen aus des Koppernikus (8 98) Seite, dessen Lehre er durch die drei nach ihmbenannten Grundgesetze der Planetenbewegung ausbildete und zur unumstößlichen Gewißheiterhob, so in der Kurzgefaßten Darstellung der Koppernikanischen Weltord-nung. Den erhabensten Schöpfungen des menschlichen Geistes darf Keplers Traum,das Werk eines Sehers und Dichters, beigezählt werden; sein wissenschaftliches Meister-werk Über den Stern Mars erschien erst nach des Verfassers Tode. — Sein großerZeitgenosse Galileo Galilei aus Pisa, ein Physiker von unsterblichen Verdiensten, wurdeder Begründer der wissenschaftlichen Mechanik. Auf die Kunde von der Erfindung des Fern-rohrs in Holland ging er selbst an die Herstellung eines solchen Instrumentes, das er dannzuerst gen Himmel richtete. So entdeckte er die „Dreigestalt" des Saturn, die Veränderungenin Licht und Größe des Mars und der Venus, was ihn zu der Erkenntnis führte, daß diePlaneten kein Eigenlicht besitzen. Klug und geschickt vermied er anfangs jeden Anstoß beider argwöhnischen Geistlichkeit. Als aber der kühne Neuerer sich rückhaltlos zu Koppernikusbekannte, da mußte er 1616 in Rom geloben, die Bewegung der Erde nicht weiter zu lehren.Doch geriet er bald von neuem in Streit mit seinen jesuitischen und aristotelischen (8 98, 1)Gegnern. Die Wahl des ihm wohlgesinnten Barberini zum Papste (Urbans VIII., 1623—1644)ermutigte ihn, den Kampf für Koppernikus wieder aufzunehmen. Er schrieb OiuloAo ivtornoui äns mnssiini sistsini äst inonäo, die weltberühmte Schrift in Gesprächsform, in der dreiPersonen eingeführt werden, von denen die eine des Koppernikus, die andere des PtolemäusAnsicht verteidigt, während die dritte beider Gründe dergestalt abwägt, daß scheinbar dieSache unentschieden bleibt, in Wirklichkeit aber Koppernikus recht behält. Fast wäre esdem Verfasser gelungen, von der Zensur die Druckerlaubnis zu erhalten, da wußten seineFeinde dem Papste einzureden, e r sei mit Simplicio, dem Vertreter der Ptolemäischcn Lehre,gemeint. Es ist bekannt, daß nun der fast siebzigjährige Forscher auf Grund eines gefälschtenProtokolls des Wortbrnches bezichtigt und gezwungen wurde, seine Lehre als irrig undschriftwidrig abzuschwören. Seine Folterung dagegen steht ebenso wenig fest wie das WortDppurs oi innovo. Sein Werk wurde verboten und er selbst unter die Aufsicht der Inqui-sition gestellt. 1637 erblindete er, war aber trotzdem bis an sein Ende wissenschaftlich tätig-

0. Die Runst des Barocks.

§ 261 . Baukunst. Der Barock gilt als die Kunst des siebzehnten Jahr-hunderts. In Rom tritt er indes schon viel früher und zugleich in seinerreinsten Form auf. Zur Zeit, wo die römische Hochrenaissance den Gipfelüberschreitet, erscheint auch der Barock und gibt sich als ein durchaus Neuesund Fertiges, dessen Entwicklung sich nicht ohne Mühe erkennen läßt; manversucht, seine Entstehung bis zur Gotik zurückzuverfolgen, und stellt ihm eineparallele Strömung in der nachhellenistischen Kunst zur Seite. Für Rom istdie Spätrenaissance die erste Staffel des Barocks; an seinem Ende steht der