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Dritter Band.
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8 261. Fünftes Kapitel: Literatur von 1618 bis 1660. Kunst des Barocks.

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neue Klassizismus (IV, H 95). Im Beginne ernst, düster und massig nimmter später, um die Zeit, als Bernini die Leitung des Baues von St. Peterübernahm, leichtere, fließende und spielende Formen an und klingt allmählichim Rokoko aus. Er bevorzugt von Anfang an das Malerische, die rauschendeBewegung, das leidenschaftlich Aufgeregte und gefällt sich bald im Form- undRegellosen; er behandelt die Antike mit Geringschätzung und durchbrichtskrupellos die Regelschranken der Renaissance; er haßt Ruhe und Harmonie,das Zierliche und Intime und liebt die Dissonanzen, das Massige, Imponierendeund Kolossale, aber auch das Erhabene und Unendliche. Renaissance wirkt be-freiend, Barock läßt unbefriedigt oder bereitet auf neue, harmonische Eindrückevor, wie Gewitter und Sturm auf Ruhe und Windstille.

Der Stil trägt den Stempel seiner Epoche, hier der Gegenreformation, einer Zeit derGärung und der Krisis. Der geistige Gehalt der Zeit spiegelt sich äußerlich in Trachtenund Behaben der Zeitgenossen und in der Darstellung des Menschen durch die Kunst wieder;Malerei und Plastik berechtigen daher wenigstens zu erklärenden Analogieschlüssen in bezugauf die Entstehung und Entwicklung des Baustils. So stellen Michelangelos „Sklaven",Jgnudi (nackte Jünglinge) zur Seite der Medaillons im Deckengemälde der SixtinischenKapelle, eine volle Skala persönlichen und zeitlichen Empfindens dar, aber erst ihre Nach-bilder in der Galleria Farnese sind Vollblutgeschöpfe des Barocks; und wie die Gestaltender Mediceerkapelle in S. Lorenzo in Florenz, für deren verhältnismäßig engen Raum derKünstler noch vier weitere liegende Figuren (Flußgötter, Personifikationen von Himmel undErde, Zeit und Raum) vorgesehen hatte, das leidenschaftliche Ringen der Masse mit demZwange der Konturen zu überwältigendem Ausdruck bringen, so verraten die Dissonanzen inden Architekturen Michelangelos, wie im Treppenraum der Laurenziana in Florenz und inden Palästen des Kapitolsplatzes, eine heftig aufgeregte, ruhelose Stimmung, die im Be-schauer erst durch Einwirkung des Ganzen oder zusammengehöriger Bauteile einem harmoni-schen Nachklänge weicht.

Der Zug ins Große kommt zuerst in der Architektur, in den Fassaden des Barockszum Ausdruck. Während in der Renaissance die Selbständigkeit der Nebenteile durch Be-folgung fester Normen gewahrt bleibt, wird ihre Anzahl im Barock vermindert, oder sieverkümmern, um die volle Wucht des Eindrucks den Hauptteilen zu übertragen und denBau einfacher und massiger zu gestalten. Vertikale Gliederung, ein System von Pilastern, dasdie ganze Fassade durchsetzt, rafft die Geschosse zu einem Ganzen zusammen (Michelangelound Palladio), oder das Erdgeschoß wird durch einfache Erhöhung selbst zum Sockel deroberen Stockwerke (A. da Sangallo d. j.). Der Architrav, der auf den Pfeilern liegendeQuerbalken, erhält dann eine horizontale Teilungslinie, während er anderseits häufig unter-brochen und stark gekröpft wird. Die Giebeldrciecke werden stumpfwinklig, sie senken sich,sie lasten. Die Arkaden vertauschen den freien und offenen Kreisbogen mit der gedrücktenHalbellipse. Bogen und Tympanon (Giebelfeld) werden gebrochen, und die Giebeluntersätzelaufen seitlich in konkave Bogen aus. Die Schichtung der Steine hinterläßt kein äußeresMerkmal, und der Rustikabau kommt ganz in Wegfall. Nach der Fassadenmitte zu nähernsich die Bauglieder (Pilaster, Fensterachsen und Ornamente) einander mehr und mehr, oderder mittlere Teil tritt hervor oder zurück und buchtet sich zum Wellenberg aus; so gehenLangsschwingungen in Ouerschwingungen über, aber die Rhythmik der Bewegung bleibt er-halten. Die konstruktive Schönheit wird durch virtuose, schwungvolle Ornamentik übertäubt;Säulen und Pfeiler (die freie Säule wird in Rom anfangs nur selten verwandt, währendsie sich in Florenz, Genua und Neapel behauptet) sind nur Prunkstützen; sie drängen sich zuzweien dicht aneinander und überwinden scheinbar spielend die vorgetäuschte Last. Das male-risch Bewegte kommt in starken Licht- und Schattenwirkungen zwischen Pfeilern, Säulen und inNischen zur Geltung. Perspektivische Künste täuschen größere Ferne und Weite vor: dieSäulen in der Scala Regia Berninis im Vatikan werden nach der Tiefe mehr und mehrverkürzt und rücken enger aneinander, die Piazza del Campidoglio (Michelangelo) und derVorplatz von S. Peter (Bernini) verbreitern sich nach dem Hintergründe zu und erscheinendarum größer. Der leicht zu bearbeitende Travertin, den bereits Michelangelo für dieOrnamentierung im Hallenhofe des Palazzo Farnese verwandte, verdrängt den Marmor,nach und nach erweichen die Massen, die Kanten werden stumpf, die Sockel der Pfeiler undSäulen verlieren zum Teil die scharfen Einschnitte und drängen nach außen wie belastetefedernde Unterlagen. Die dekorativen Gebilde, Kapitelle, Kartuschen und Wappenschilde,stülpen die Ränder um und erscheinen dadurch voller und weicher. Die Stelle von Krcis-form und Quadrat, Bilder der vollkommensten Ruhe, nehmen meist Oval und Rechteck ein.