8 262. Fünftes Kapitel: Literatur von 1618 bis 1660. Kunst des Barocks. 449
und Bildhauer Alessandro Algardi das malerische acht Meter hohe Marmorrelief Leo A. Algardlder Große und Attila, sowie das Grabmal Leos XI. mit dem Relief der Absolution Hein-richs IV. in S. Peter, die Koloffalstatue des h. Filippo Neri und die Bronzebüste Gregors XV.in S. M. della Navicella (Chiesa Nuova) in Rom.
In Frankreich hatten während der Religionskriege die Künste gefeiert. Nach demFranrrei-hFrieden blieb die von den Rcnaissancekünstlern (Inste u. a.) eingeschlagene Richtung biszur Mitte des siebzehnten Jahrhunderts in Kraft. Pierre Francheville (Pietro Frauca- P- Franche-villa), Schüler und Gehilfe von Giovanni da Bologna iZ 100), formt für Heinrich IV. 154 z-isisdie vier ehernen Sklaven am Postament des Reiterstandbildes Heinrichs IV., Jacques I. SarrazinSarrazin schafft daS Denkmal Ludwigs XIII. lReste im Louvre) und daS Grabmonument I5so—issodes Prinzen Heinrich Conde in der Kapelle des Schlosses Chantilly, Simon Guillain dieDenkmäler für Ludwig XIII., den jugendlichen Ludwig XIV. und Anna von Österreich, der ^ Desjar-Niederländer Martin Desjardins (eigentlich M. van den Bogaerts) die Reiterstatuen dinsLudwigs XIV. für Paris (Place des Victoires) und Lyon, die die Revolution vernichtete, i6io—iesiund treffliche Bildnisbüsten (Colbert), Je an War in die Büsten Ludwigs XIII., Ludwigs XIV.und Richelieu?. In der Mitte des Jahrhunderts kommt unter dem Einflüsse Berninis dermalerisch-pathetische Barock zur Geltung, der aber hier, statt in üppigen Formen zuschwelgen, durch anmutige Feinheit und Zierlichkeit die nationale Eigentümlichkeit nichtganz verleugnet. Francois Anguier, Schüler Guillains, ist der Schöpfer des Grab-mals Heinrichs von Moutmorency im Lycee in Moulins (Auvergne); sein Bruder Michel ^ AnguierAnguier ist für die Kirche Val de Grace und für die Porte S. Denis in Paris tätig; ISI8-I68S
vier Bronzestatuctten, die Elemente, besitzt das Grüne Gewölbe in Dresden. Pierre P-Puget
Puget, eine kraftvolle Natur („der Marmor zittert vor mir"), zuerst Schiffsbaumeister ^ 22 -wStund Holzschnitzer, später Schüler von Pietro da Cortona, schafft ganz im Geiste Berninis:
Figuren für Kriegsschiffe im Arsenal von Toulon, Deckenmalereien im Palazzo Pitti inFlorenz, Karyatiden am Hotel de Ville in Toulon, Statue des Beato Alessandro Santiund des h. Sebastian in S. M- di Carignano in Genua, Gruppe des im Eichstamm fest-geklemmten Milon von Kroton, der von einem Löwen zerfleischt wird (im Louvre, im Aus-krage ColbcrtS), Perseus und Andromeda, Alexander und Diogenes (Hochrelief). Ebensolehnt sich Teudon an den großen Italiener, wie seine Marmorgruppe (der Glaube stürzt Teudondie Abgötter, 8 H1) zur Rechten des Jgnazaltars im Gesü in Rom erkennen läßt, sowie Pierre a?Legros, dessen drei Meter hohe silberne Statue des h. Jgnatius über dem aus der- ^
goldeter Bronze, mit Kristallen und Achat bekleideten Sarkophage des Heiligen stand
(jetzt in Nachbildung von Ludovisi, Plus VI. hatte das Original einschmelzen lassen). Lebens-voll, aber natürlicher zeigt sich Frausois Girardon in seinen Werken: Grabmal F. EirardonRichelieu? in der Sorbonne, Raub der Proserpina (Anklang an G. da Bolognas Raub der E 8 - 1 NLSabinerinnen) im Garten von Versailles, Apollo und die Nymphen, Relief der badendenDiana u. a.; Bronzenachbildungen seiner Werke befinden sich im Dresdner Grünen Gewölbe.
Anmutig und geschmackvoll sind die Allegorien, mit denen Charles Antoinc Coyzevox L. Coyzeooxdie Schlösser von Versailles und Marlh schmückte, monumental, wenn auch nicht ohne Pose, iow— 1 ?Wfind seine Grabmäler: Kardinal Mazarin im ColKge des quatre Nations, Minister Colbert inS. Eustache, Lebrun in S. Nicolas du Chardonnet; feine größte Meisterschaft bekundet erin zahlreichen Portrütbüsten: Bossuet, Richelieu, Mignard, Lebrun (im Louvre); ebenda dieGruppe Schäfer und Satyr; die für das Hotel de Ville gegossene Reiterstatue Ludwigs XIV.in römischer Jmperatorentracht befindet sich jetzt im Muse'e Carnavalet. Manirierteiyelegant und theatralisch, bereits im Banne des Rokoko, sind die Gestalten, die aus denWerkstätten seiner Schüler hervorgehen, der Neffen von Coyzevox: Nikolaus Coustou ^ Coustou(Kolossalgruppe der Seine und Marne im Tnileriengarten, Statue Ludwigs XV., Skulpturen ^56—1?33in der Versaillcr Schloßkapelle) und Guillaume Coustou (Statue der Maria Leszinskaals Juno im Louvre, die Rosse von Marly auf der Place de la Concorde und daS Grab-sval des Kardinals Dubois in S. Roch). Claude David arbeitet für S. M. di Carignano C. Domem Genua die unerfreuliche Statue des h. Bartholomäus.
Das Vorbild der luxuriösen Hofhaltung, sowie die staatliche Begünstigung, die der Kunst-dekorativen Kunst unter Ludwig XIV. zuteil wurde, brachte auch das Kunstgewerbe in 2 °"" °Frankreich zu hoher Blüte. Schon Heinrich IV. sandte Kunstschreiner nach den Nieder-landen, um die dort hochentwickelte Kunstindustrie auch Frankreich dienstbar zu machen,und ließ für tüchtige ausländische Meister Werkstätten im Louvrepalast einrichten; Ludwig XlV.anfte im Jähre 1662 auf Colberts Rat die „Gobelins" an, in denen eine „Hochschulerr Möbelknnst", die Nannkaoturs ro^als das Nsnblss cks 1a eouronns, Platz fand,ercn Erzeugnisse, Schränke, Tische, Sessel, die hohen Kästen der Stockuhren, späterWsder-Baldamus, Weltgeschichte. 21 . Aufl. III. 29