448 Drittes Buch: Ende der spanisch-katholischen Vorherrschaft (1618—1660). K 262.
G. Chtaveri Fiore. Die katholische Hofkirche, ein italienischer Langhausbau init malerischem Turm, ist1689-17?» xin dekorativ bedeutendes Werk des Gaetano Chiaveri.
England In England wird der Stil Elisabeths und Jakobs vom Klassizismus PalladiosA->—ia°>» (auglo-klassischem Stil) abgelöst, dem Jnigo Jones, von Haus aus Tischler, dann Land-^ " schaftsmaler, zum entscheidenden Siege verhilst: Schloß Whitehall für Karl I. (Flügel und
Banketthalle), Schloß Wilton House nach Palladios Villa Rotonda bei Vicenza. Chri-IM- 17 W stopher Wren, ursprünglich Mathematiker und Astronom, vereinigt den Klassizismus mitdem Barock und entwickelt nach dem großen Brande (1666, Z 284) in London eine beispielloseBautätigkeit: unter seiner Leitung erstehen an fünfzig Kirchen, unter ihnen die gewaltigeS. Paulskirche, die wie S. Peter in Rom zur Grundform ein griechisches Kreuz erhaltensollte, durch den Machtspruch des Klerus aber als Kuppel- und Langhausbau ausgeführt'brou"gh wurde. John Vanbrough, sein bedeutendster Nachfolger, erbaut Blenheim Palace und1666—1726 Castle Howard in Horkshire.
§ 262 . Bildhauerei. Deutliche Spuren der Barock-Plastik zeigen sichschon bei Donatello, aber erst Michelangelo ist ihr eigentlicher Bahnbrecher. Inseinen Gestalten ringen mächtige innere Kräfte neben der drückenden, erschweren-den Körpermasse mit den umspannenden, einengenden Umrißlinien, während inden Werken der unverfälschten Renaissancekünstler Form und Inhalt sich inschönem Gleichmaß die Wage halten. Die Beziehungen beider Kunstrichtungenlassen sich in knappester Fassung in das Gewand der physikalischen Formel kleiden,die auch für die Malerei giltig bleibt: Renaissance und Barock verhalten sichzu einander wie Statik und Dynamik, wie Gleichgewicht und Bewegung. Dabeikommt in Betracht, daß unter Gleichgewicht nicht absolute Ruhe zu verstehen ist.Italien Unter Michelangelos Zauberbann halten sich die Nachfolger zunächst noch innerhalboder in der Nähe geheiligter Schranken, die das Düstere und Ernste, das Erhabene undGewaltige von dem Fließenden und Beweglichen abgrenzen, bis Berninis leidenschaftlicheSchöpferkraft diese Schranken in stürmischer Entladung machtvoll durchbricht. Das Bestreben,die gesteigerte Empfindung, das Affektvolle zur höchsten Wirkung zu bringen, sowie der Versuch,über die Schwere des Materials hinwegzutäuschen (Heilige schweben auf Marmorwolken),führt schließlich zu affektierten Posen; die gestikulierenden Gestalten, die ihre Leiber inflatternden Gewändern verbergen, wirken theatralisch, die maßlose Übertreibung des Herkuli-schen und üppige, gewaltsame Umformung der Glieder (z. B. erscheint die übertriebeneHervorhebung des am Bein entlang laufenden Muskels, kibislis antsrior, als Ver-doppelung des Schienbeins) und die ausdruckslosen Gesichter von Putten und Engeln sind vonstörendem Einfluß, aber die Größe der Auffassung, die malerische Gruppierung sowie dievirtuose Technik sichern auch dem Neuen eine höhere künstlerische Bedeutung, als ihm ge-meiniglich zugestanden wird. Noch an Michelangelos ernste Formen erinnert Guglielmo dellaPortas Bronzegrabmal Pauls III. mit zwei allegorischen Gestalten, für die die Mediceer-grüber zum Vorbilde dienten.
L-B-riinü Der Architekt und Bildhauer Lorenzo Bernini, der erfindungsreiche Schöpfer derflüssigen Formen des Barocks, ist zugleich Meister des Porträts. In seine Jünglingsjahrefallen Aeneas und Anchifes (1613), David, Apollo und Daphne in der Villa Borghese inRom (Wiederholung in Berlin), später entstehen der Raub der Proserpina (1621), imMuseo Ludovisi, S. Bibiana in der gleichnamigen Kirche (1625) im Viale Pr. Margherita,Grabmäler Urbans VIII. und Alexanders VII., Statuen (S. Longinus, Gräfin Mathildis)in S. Peter, Reiterstandbild Konstantins an der Scala Negia, Brunnen auf Piazza Navonavor S. Agnese mit den Flußgöttern (größtenteils nach seinen Zeichnungen von Schülernausgeführt: der Nil von A. Fancelli, der Ganges von Claude Adam, die Donau vonAndrea Lombardo, der Nio della Plata, der Mohr, von Fr. Baratt»), Fontana del Tritonsauf Piazza Barberini, S. Teresa mit dem Engel in S. M. della Vittoria in Rom, fernerBüsten: Ludwig XIV. in Versailles, Richelieu, Costanza Buonarelli in Florenz, Entwürfe zuden 162 Statuen der Kolonnaden und der Fassade von S. Peter und zu den Engeln vomPonte S. Angelo (von seiner Hand nur der Engel mit der Kreuzinschrift, sowie zweiS. Maderna pxr Engel neben dem Hochaltar in S. Andrea delle Fratte). Stefano Maderna schuf1571—1636 ^ rührende Gestalt der h. Cecilia (unter dem Hochaltar von S. Cecilia in Trastcvere inF. Duques- Rom). Der Flamländer Frans Duquesnoy, Fiamingo genannt, erfreut durch seine an-1591-1644 ziehenden Kindergruppen (im Museum in Berlin und in S. M. dell'Anima in Rom),S. Andreas in S. Peter und durch die schlicht und edel aufgefaßte h. Susanna in S. M-F. Mocchi di Loreto (am Trajansforum in Rom). Von Francesco Mocchi stammt die Statue der^ ^ h Veronica in S. Peter und die Verkündigung im Dom von Orvieto, von dem Architekten