456 Drittes Buch: Ende der spanisch-katholischen Vorherrschaft (1618—1660). H 263.
P- vaiane"^ stellung der echten Bilder herauszugeben („Inder veritatis," Chatsworth 200 getuschte Feder-I 602 - 1 S 74 Zeichnungen). Auch der Kirchen- und Bildnismaler Philippe de Champaigne malteLandschaften klassischen Stiles (Mahl beim Pharisäer Simon, Abendmahl, die betendenNonnen, zwölf Bildnisse, unter ihnen Kardinal Richelieu, Ludwig XIII., sämtlich im Louvre).1606 — 1656 °^"llrent de la Hire, Vater des Mathematikers und Malers Philippe de la Hire, bildeteseine Landschaften nach dem Muster von Poussin und Claude, malte aber glatter und, geleckter (Christus mit den drei Marien am Grabe, Landschaften mit reicher Staffage, imWW-N 675 °' Louvre, Himmelfahrt Mariae in Wien, 35 Blätter Radierungen). Von ClaudedeFtvre,Schüler von Le Sueur und Le Brun, stammt das ansprechende Bild „Lehrer und Schüler"im Louvre. Nicolas de Largilliöre soll gegen 1500 Bildnisse gemalt haben; die vor-1655—1746 handenen geben die Zeitgenossen und ihre Geschmacksrichtung getreu wieder: Zeremonien-bilder, Bildnisse (Lebrun im Louvre, Jean Forest in Berlin). Charakteristischer, malerischerund vornehmer sind die Bildnisse des gesuchtesten Porträtmalers seiner Zeit, des Süd-I 65 §s-W 4 s franzosen Hyacinthe Rigaud: Repräsentationsbilder Ludwigs XIV. und Philipps V.,Bildnis Bossuets (Louvre), König August III. als Kurprinz (Dresden) u. a.; Stiche nachseinen Bildern von Edelinck, Drevet, Schmidt.
B-.'gi-n Das katholische Flandern darf sich rühmen, den glänzendsten und viel-seitigsten Meister des malerischen Barocks sein eigen zu nennen: Peter PaulRubens. Seine Kunst wird zwar beeinflußt durch eingehende Studien dergroßen italienischen Meister von Mantegna bis Michelangelo und Correggio,aber er weiß ihre Vorzüge nach Zeichnung, Farbe und Gestaltung in seineigenes kraftvolles Ich gefahrlos überzuleiten, so daß die Verschmelzung dennordischen Naturalismus nicht zu schwächen vermag, ihn vielmehr kräftigen undveredeln hilft.
Seine Gestalten verleugnen niemals die Mimischen Typen, seine bildnerische Schöpfer-kraft hebt sie nur eine Entwicklungsstufe höher empor: die Farbe des blühenden Fleisches,die quellenden Formen ihrer Leiber zeugen von dem erhöhten Leben, das in ihren Adernpulsiert. Die dramatisch, oft leidenschaftlich bewegten Gruppen seiner Originalgemälde, indenen Perspektive und Rhythmus nie die Herrschaft verlieren, stehen meist im vollen Lichtedes Tages; denn nur dieses, nicht der Dämmerschein des Halbdunkels, kann den Reichtumund die volle Harmonie seiner Palette znm Ausdruck bringen.
^ 15 ^ 7 — 1640 ^ d- d- Rubens wurde am 28. Juni 1577 in dem westfälischen Städtchen Siegen ge-boren als Sohn des von den Oraniern infolge eines Ehedelikts Verbannten AntwerpenerSchöffen Dr. Jan Rubens. Nach dessen Tode (1587) siedelte die Familie wieder nach Antwerpenüber, wo Peter Paul in der Schule eines Lateinlehrers Rombout Verdonck sich seine wissen-schaftlichen Kenntnisse, namentlich die Beherrschung der lateinischen Sprache erwarb. Nachkurzer Zwischenzeit, die er im Hofhält der Margarete von Ligne in Oudenaarde als Pageverlebte, wo ihm aber die Hofluft nicht behagte, genoß er wahrscheinlich 1591 den Unter-richt des Malers Tobias Verhaegt, kam dann in die Werkstatt des Adam von Noort, beidem er vier Jähre verblieb, und schließlich zu dem feingebildeten Otto van Been. 1598wird Rubens als Freimeister in die Lukasgilde aufgenommen. Im Mai 1600 begibt ersich nach Venedig, dann nach Mantua, wird Hofmaler des Herzogs Vinccnzo Gonzaga,der ihn auch in diplomatischen Missionen an Philipp III. von Spanien verwendet, und istin Rom, Florenz und Genua tätig. Ausgang des Jahres 1608 ruft ihn die tödliche Erkran-kung der Mutter in die Heimat. 1609 wird er Hofmaler der Regenten der Niederlande,Erzherzogs Albrecht und Jsabellas, und heiratet Jsabella Braut (4 1626). In die Jahre1621 bis 1626 fallen seine Reisen nach Paris und Holland, 1627 bis 1630 ist er auch in diplo-matischen Diensten in Madrid und England tätig, wo ihm Karl I. die Ritterwürde verleiht.1630 heiratete er die sechzehnjährige Helene Fourment. 1635 kaufte er die bei Mecheln ge-legene Herrschaft Steen, deren Umgebung manche seiner landschaftlichen Motive entnommensind. Am 30. Mai 1640 erlag er einem schmerzhaften Gichtleiden.
Bei seinen zahlreichen Werken (man zählt über 8000) gingen ihm Schüler, Gehilfenund tüchtige Meister zur Hand, wie der Tiermaler F. Snyders und der LandschaftsmalerJan Wildens, vor allem aber A. van Dyck. Gemälde religiösen Inhalts: Dornen-krönung und Kreuzaufrichtung für S. Croce in Gerusalemme in Rom 1602 (jetzt in derKapelle des Hospitals in Grasse), der h. Hieronymus 1607, Jüngstes Gericht 1616(Dresden), Auferstehung des Gerechten 1607, Christus und die Sünder 1615, das kleine(1615) und das große (1616) Jüngste Gericht, das apokalyptische Weib 1612, Simsou undDelila, Pauli Bekehrung, der Höllensturz 1614, Grablegung Christi, die h. Dreifaltigkeit1616, Madonna im Blumenkranz, Esau und Jakob 1614, Engelsturz 1620, Bethlehemitischer