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Dritter Band.
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Überschau und Vorblick.

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greifende Türkei den Franzosen ein starkes Gegengewicht gegen Öfter-reich. Unter Benutzung dieser Weltlage gelang es Ludwig XIV., bis zumdritten der sogenannten Raubkriege die französische Vorherrschaft in Europavoll zur Geltung zu bringen. Zugleich wurde der französische Absolutis-mus und der französische Hof vorbildlich für die europäischen Dynastien,beherrschte die französische Bildung, Literatur und Kunst den europäi-schen Geschmack.

So war politisch Frankreich in die Stelle eingerückt, die im 16. undim Anfang des 17. Jahrhunderts Spanien inne gehabt hatte. Die kon-Vorherrsch»,»fessionellen Fragen waren nun zwar seit Mitte des 17. Jahrhundertssehr zurückgetreten, aber seit etwa 1685 kam doch in Frankreich einekatholische Tendenz zur Geltung, so daß es auch hier in spanischenBahnen wandelte, allerdings weniger aggressiv. Wie nun gegen diespanische Vorherrschaft im 16. und 17. Jahrhundert ein Weltkampf derin ihrer Selbständigkeit bedrohten Staaten geführt wurde, so begann einsolcher Kampf gegen Frankreichs Übermacht mit dem drittenRaubkriege und wurde fortgesetzt im Spanischen Erbfolgekriege: die führendenMächte waren dabei England, Holland und Österreich. Das Er-gebnis war trotz der Erwerbung der spanischen Krone durch das HausBourbon doch der Zusammenbruch der französischen Vorherrschaft unddie Begründung des europäischen Gleichgewichts. Ängstlichwurde nun darüber gewacht, daß nicht wieder, wie feit dem 16. Jahr-hundert, ein Staat ein erdrückendes Übergewicht über die anderen erlange.

Der Sturz Frankreichs wurde erleichtert durch den gleichzeitigenNiedergang Schwedens und der Türkei (siehe unten), auf die essich bisher gestützt hatte. Von besonderer Bedeutung aber für diese Ab-wandlung der Geschicke Westeuropas war die innere Geschichte EnglandEnglands seit 1660. Wie schon gesagt, versuchten die Stuarts nach ihrerRückkehr auf den englischen Thron die alte Politik ihres Hauses wiederaufzunehmen: die Folgen der englischen Revolution sollten rückgängig ge-wacht und der Boden für eine absolutistische Verfassung und für dieRückführung des Katholizismus vorbereitet werden. Zur Erreichungdieses Zieles suchten sie Anlehnung an Frankreich. Damit traten sie zuder geschichtlichen Entwicklung ihres Landes in einen ähnlichen Gegensatzivie die ersten Stuarts. England war seit Elisabeth und Cromwell großgeworden im Kampfe für den Protestantismus und gegen die ÜbermachtSpaniens und hatte in einem langen Bürgerkriege seinen Protestantis-wus und seine Verfassung gefestigt. Darüber waren die ersten Stuartsgestürzt; als nun die zweiten die nationalen Errungenschaften nach innenund außen gefährdeten, da ereilte sie ein ähnliches Geschick wie ihreAhnen. England sagte sich in einer unblutigen Revolution von ihnen^os, um nach außen seine geschichtliche Stellung wiederzugewinnen undun Innern seine parlamentarische Verfassung zu vollenden. Die Thron-besteigung Wilhelms III. war der Abschluß der inneren Kämpfe undZugleich ein Schlag gegen die Vorherrschaft des an Spaniens Stelle ge-tretenen und mit den Stuarts verbündeten Frankreich; dies um so mehr,uls dadurch eine enge Verbindung Englands mit den Niederlanden ge-Ulüpft wurde, und diese Seemächte nun noch mehr zusammengingen als zurZeit der Elisabeth. Mit Österreich, dem alten Gegner Frankreichs, vereintvrachen sie im Spanischen Erbfolgekriege die Vorherrschaft Frankreichs.