506 Viertes Buch: Das Zeitalter des Absolutismus ( 1660 — 1740 ). Z 285 .
berechtigt waren oder nicht, ist für diese Frage gleichgültig — aufzuheben und dadurch unterBeseitigung der Parlamentsrechte den Absolutismus einzuführen, und daß er für diesen Ver-such auf ausländische Hilfe rechnete. Das „Dispensationsrecht" des Königs ist nur ein Not-recht — eine Notlage war aber nicht vorhanden — und setzt die spätere Zustimmung desParlaments voraus.
Krn-gss'ge- Dem Siege des Parlaments in der Toleranzfrage folgte bald eing-n Holland zweiter in der auswärtigen Politik. Durch den rühmlosen Verlauf desSeekrieges (§ 271) wurde die Abneigung des englischen Volkes gegen dasfranzösische Bündnis natürlich noch erhöht. Das Parlament verweigerteweitere Geldmittel und verlangte, nachdem Ashley und Clifford schonzurückgetreten waren, die Entlassung der Minister Lauderdale und Bucking-ham. Infolgedessen sah sich der König gezwungen, mit Holland denis?4 Frieden von Westminster zu schließen (Z 272).
Das geschah zu der Zeit, wo sich die erste europäische Koalitiongegen Ludwig XIV. bildete (Z 272). Im Sinne des englischen Volkesund im Geiste der Geschichte Englands hätte es nun gelegen, sich diesemBündnis anzuschließen: England war unter Elisabeth und Cromwell großgeworden im Kampfe gegen das spanische Übergewicht; jetzt war Frankreichim Begriff, an die Stelle Spaniens zu treten: da hätte England jetzt sichgegen diesen Staat wenden müssen. Dem aber standen die persönlichenWünsche des Königs entgegen, und Ludwig XIV. tat alles, ihn durchGeldzahlungen und andere Mittel immer enger an sich zu ketten. Damalsging es am englischen Hose besonders lustig zu; die Herzogin von Ports-mouth beherrschte den König vollständig, verdrängte ihre Nebenbuhlerin,die Lady Castlemaine, und arbeitete für Frankreich; im gleichen Sinnewirkte eine Nichte Mazarins, Hortensia Mancini, die ihrem Gatten ent-flohen war (8 221). Der neue Minister, Graf von Danbh, bemühte sichzwar, die unwürdige Abhängigkeit von Frankreich zu beseitigen, hatte damitaber beim Könige keinen Erfolg. Auf der anderen Seite gelang es denStrömungen spanischen und niederländischen Abgesandten, einflußreiche Parlaments-mitglieder zu bestechen; das von oben gegebene Beispiel der Korruptionfand eben Nachahmung, Käuflichkeit wurde das herrschende Laster. DasErgebnis der entgegenstehenden Strebungen war, daß England in demeuropäischen Kriege neutral blieb, was aber den König nicht hinderte,zunächst noch englische Truppen unter seinem natürlichen Sohne Jakobvon Monmouth im Solde Frankreichs zu belassen. Als dann nach deri5.N°°.is7?Vermählung Wilhelms III. von Oranien mit Maria, derNichte des Königs, die Möglichkeit näher rückte, daß Karl II. durch dasParlament zum Kriege gegen Frankreich gezwungen werden könnte, wurde1678 auch auf Betreiben Karls II. der für Ludwig XIV. günstige Friede vonNymwegen geschlossen (ß 273).
ÄiMts Inzwischen hatte sich die kirchliche Erregung immer mehr gesteigert. Estauchten Gerüchte auf von einem großen papistischen Komplott, dessen1678 Zweck die Ermordung des Königs und die gewaltsame Rückführung des Katho-lizismus sei; sie ruhten hauptsächlich auf den Aussagen des übelberüchtigtenTitus Oates, der davon aus jesuitischen Kreisen erfahren haben wollte.Wahrscheinlich ist die behauptete Verschwörung eine leere Erfindung gewesen, siefand aber bei dem von Mißtrauen und Religionshaß erfüllten GeschlechteGlauben. Die Führer der parlamentarischen Opposition, vor allem der Graf vonShaftesbury, der als Lord Ashley Mitglied des Cabalministeriums gewesenwar, benutzten die Erregung zu Angriffen auf die Regierung: der katholische