Band 
Dritter Band.
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8 338. SiebentesKapitel: Europa unter d. Herrsch. d.Gleichgewichtspolitik(171S—1740). 587

Versuche, in Italien Auß zu fassen (Z 279); durch den Spanischen Erbfolge-krieg gewann indes Österreich den vorwiegenden Einfluß (§ 320). Baldaber trat das spanische Haus Bourbon wieder als Rivale auf und führteseine Prinzen aus italienische Throne (Z 336). Seitdem hielt sich derhabsburgische und bourbonische Einfluß das Gleichgewicht; zueiner nationalen Staatenbildung kam es nicht. Der einzige Staat, derwenigstens eine einheimische Dynastie hatte, war Savoyen-Piemont.

Mit ihm wollen wir deshalb auch unseren Überblick beginnen.

Savohen war unter Karl Emanuel II. ganz unter französischen Einfluß geraten (H 122). SardinienSein Sohn Viktor Amadeus II. (Stammbaum 17) hat es verstanden, während des Viktor Ama-Spanischen Erbfolgekrieges diese Abhängigkeit zu brechen und Montferrat nebst einigen igsz- 17 Mmailändischen Grenzgebieten sowie Sizilien mit dem Königstitel zu gewinnen (Z 320); an 1 1782dessen Stelle erhielt er dann Sardinien (Z 330); seitdem führte er den Titel eines Königs 1120von Sardinien. Zustatten kam ihm dabei, wie einst dem Hause Burgund (II, Z 317) undwie dem Großen Kurfürsten, die Lage zwischen den rivalisierenden Großmächten. ViktorAmadeus war aber nicht nur darauf bedacht, sein Reich zu mehren; er verbesserte auch dieRechtspflege, entriß dem Adel die lange besessenen Kronländereien, gründete die UniversitätTurin, hob den Schulunterricht und ordnete die kirchlichen Verhältnisse durch ein Konkordatmit Rom. In einem Alter von 64 Jahren übergab er seinem Sohne die Regierung und i 7 sovermählte sich mit der Gräfin Sän Sebastino; aber verstimmt, daß man seinem Rat nichtin allem folgte, und von seiner ehrgeizigen Gemahlin aufgereizt, widerrief er im nächstenJähre seine Thronentsagung, wurde jedoch auf den Vorschlag des Ministers d'Ormea ge-fangen weggeführt und lebte noch dreizehn Monate streng überwacht erst im Schlosse von-ti.Nov. 17 s 2Rivoli, dann in Moncarlier. Die Gräfin endete im Kloster. Karl Emanuel III. erwarb Karlim österreichischen Erbsolgekriege einige Landstriche vom Herzogtum Mailand und suchtedurch geordneten Staatshaushalt und durch Heranziehung der Geistlichkeit zu den Steuerndie großen Ausgaben zu decken, die die Heranbildung eines tüchtigen Heeres nach preußi-schem Muster verursachte. Dabei war er auf Abstellung und Erleichterung der Feudallastenbedacht und traf manche gute Einrichtung, ohne die reformierende Hast vieler gleichzeitigenFürsten und Minister (Z 397, 403, 411) zu teilen. Schon damals sah Österreich in Savohenden künftigen Hauptgegner seiner italienischen Herrschaft. V-iktor Amadeus III. setzte Viktor Aina-dcs Vaters Werk fort, gewährte aber der Geistlichkeit zu großen Einfluß. 1773 — 179 «

Für die auswärtige Politik Venedigs waren, wie früher (H 122), so auch im 17. Venedigund im Anfang des 18. Jahrhunderts die Beziehungen zur Türkei besonders wichtig. DieTürkenkriege waren nicht rühmlos für die Republik, da ihr Reichtum die Unterhaltungeiner trefflichen Seemacht und eines tapfern Söldnerheers möglich machte, aber sie endigtendoch mit dem Verluste der Besitzungen in den östlichen Teilen des Mittelmeers. Nacheinem fünfundzwanzigjährigen Kriege siel die Insel Kreta in die Hände der Osmanen ig«g(8 303) und die peloponnesische Halbinsel, welche die Republik im Frieden von Karlowitz i«gg(8 307) gewann, mußte sie im Passarowitzer Frieden wieder abtreten; nur Korfu und m«Dalmatien wurden durch dir tapfere Verteidigung Schulenburgs gerettet (H 329). ImInnern gelang es den Nobili, die aristokratische Verfassung gegen jede Neuerungssucht zubehaupten, aber der Stillstand, der dadurch über das öffentliche Leben kam, zerstörte imVolke alle Kraft und allen Unternehmungsgeist. Es kam hierzu, daß auch die Nobili sichnicht mehr mit dem alten Eifer (Z 122) in den Dienst des Staates stellten, sondern einemGenußleben frönten, daß ihre Reihen keine nennenswerte Auffrischung aus dem Bürger-stande erfuhren, daß viele Familien verarmten. Die wirtschaftliche Blüte ging eben immernwhr zurück nicht nur wegen der Verlegung des Welthandels an den Atlantischen Ozean01, Z 826), sondern auch infolge der Konkurrenz, die Venedig in seinem eigensten Gebiet durchdie von der österreichischen Regierung begünstigten Häfen Trieft und Fiume (Z 331) erhielt.

Genua war vermöge seiner Lage nicht imstande, ein so abgeschlossenes Sonderleben GenuaZu führen als Venedig. Es mußte seine aristokratischen Formen mildern (Z 122) und wurdeknehr hineingezogen in die Kämpfe der Großmächte. Savohen, Österreich und Frank-reich strebten nach dem Besitz der Stadt. Es gelang den Genuesen zwar, ihre Unabhüngig-s n wahren, auch die Österreicher, die unter Vrowne während des österreichischen Erb- 174S-1747, .?s"kkges die Stadt besetzt hatten, wieder zu vertreiben; dagegen vermochten sie Korsikakni e ^ behaupten. Die Härte, mit der die adligen Kaufherren die Insel ausbeuteten,

zu einer Erhebung der kriegerischen Einwohner. Nach einem wcchselvollen Kampfe, 17Mahrend dessen ein deutscher Abenteurer Baron Theodor vonNeuhof aus Westfalen,