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Dritter Band.
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604 Viertes Buch: Das Zeitalter des Absolutismus (1660-1740). 8 351,

und nach Küstrin gebracht; auch Katte wurde verhaftet, während Keith rechtzeitig fliehen27. 0 ». I7M konnte. Das Kriegsgericht verurteilte Keith wegen Desertion zum Tode, Katte wegen desVersuchs der Desertion zu lebenslänglichem Gefängnis, erklärte sich aber für nicht kompetent,über den Kronprinzen zu urteilen. Der König verwandelte das über Katte gefällte UrteilNov. 17 M in Todesstrafe und ließ ihn vor dem Fenster des Kronprinzen hinrichten. Über denKronprinzen ist kein Todesurteil gesprochen worden, doch hat ihn der König vom Throneausschließen wollen. Auch das unterblieb, zum Teil auf Verwendung Seckendorffs: der Kron-1?. Nov. Prinz mußte in einem Reueid unbedingten Gehorsam versprechen und wurde der Kriegs-und Domänenkammer in Küstrin zugeteilt, um dort als Auskultator zu arbeiten. Wie derKönig schrieb, sollte er lernen, „daß kein Staat bestehen könne sonder Wirtschaft und guteVerfassung, und daß ohnstreitig das Wohl des Landes davon dependiere, daß der Landesherralles selbst verstehet und ein Wirt und Ökonomus ist". Da er sich allmählich in dieseNov. 17 SI Schule hineinfand und ernst arbeitete, erlaubte ihm der König, zur Hochzeit seiner SchwesterApril 1732 nach Berlin zu kommen, gab ihm die Uniform zurück und ernannte ihn zum Obersten inNeu-Ruppin, damit er nun auch den militärischen Dienst kennen lerne. Schon vorher hatteihn der König gegen seinen Willen mit Elisabeth Christine von Braunschweig-Bevern

1733 verlobt; im nächsten Jahre fand die Vermählung statt; doch entfremdeten die Gatten durchdie Schuld Friedrichs trotz der Verehrung, mit der Elisabeth zu ihm aufblickte. Nach der

1734 Rückkehr aus dem polnischen Erbfolgekrieg (Z 332), während dessen der Kronprinz am Rhein1736 den Prinzen Eugen kennen gelernt hatte, erhielt er vom Vater Schloß Rheinsberg bei Neu-

Ruppin. Hier führte er nun im Kreise gebildeter und freidenkender Freunde (Kaiserling,Jordan, Fouque u. a.) ein dem Studium gewidmetes Leben, gewürzt durch geistvolleGeselligkeit und Musik. Er las französische und antike Schriftsteller, beschäftigte sich vielmit Philosophie (namentlich der Wolffs, 8 360), wurde Anhänger der Aufklärung und tratmit deren vielbewundertem Vorkämpfer Voltaire in Briefwechsel. Hier entstand sein be-I7LS rühmter Antimacchiavell, in dem er Macchiavelli (II, Z 331) den Vorwurf macht, die Moral ausder Politik gestrichen zu haben, aber doch zugeben muß, daß ein Fürst gezwungen sein kann,Verträge nicht zu halten; wichtiger als diese Erörterung ist es aber, daß der König sichder Ansicht der Aufklärer, wonach der Staat durch Vertrag entsteht und der König vomVolke eingesetzt wird (Z 369), anschließt und daran den in seinen Schriften öfter wieder-kehrenden Satz knüpft: „Der König ist der erste Diener seiner Völker." Damitverkündete er das Programm des aufgeklärten Absolutismus.

Übrigens entsprach die Betätignng dieser Theorie durchaus der Be-tätigung des Pflichtgefühls seines Vaters. Beider Beziehungen warendenn auch immer besser geworden; sie lernten sich gegenseitig schätzen.Der Sohn hatte in der Schule des Vaters dessen Lebenswerk würdigengelernt und für seine eigene Entwicklung viel gewonnen; der Vater hieltden Sohn nicht mehr für unwürdig des Throns; in seiner Erbitterungüber die Haltung des Kaisers sagte er: „Hier ist einer, der mich rächenwird."

Am 31. Mai 1740 starb Friedrich Wilhelm I., und der 28jährigeFriedrich II. bestieg den Thron. Den neuen Geist kündigten seine3. Juni i 74 o ersten Maßregeln an. Als erster Fürst verfügte er die Abschaffung der22 . Zun Folter, und kurz darauf erschien der berühmte Erlaß: „In meinem Staatemüssen alle Religionen tolerieret werden — jeder hat das Recht, nachseiner Fasson selig zu werden," ein Wort, das sich an ersterStelle gegen den Bekehrungseifer der Geistlichkeit richtete. Für die aus-wärtige Politik rüstete er sich durch Vermehrung der Armee unter Auf-hebung des Riesenregiments; er wußte, daß ihm der Tod Karls Vüschwere Kämpfe bringen mußte.