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Dritter Band.
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Viertes Buch: Das Zeitalter des Absolutismus (1660—1740).

Z 355.

Moralische

Wochen-

schriften

Breitinger

1701—1776

Bodmer

1698—1783

Sulzer

1720—1779

Gottsched

1700—1766

mit Beifall begrüßt worden. Schließlich fanden sich der Süden und der Nordenim Kampfe gegen den französelnden Gottsched und für englische Anschauungenzusammen.

Von der Kritik gingen die Schweizer aus; ihr geistiges Rüstzeug entlehntensie den englischen „Moralischen Wochenschriften" (Z 357), namentlich demKpsotator und dem Datlor, die in Deutschland vielfache Nachfolge fanden.Massenhaft erschienen solche sittlichen und ästhetischen Zwecken zugleich dienendeZeitschriften, an ihrer Spitze Der Vernünftler, zunächst in Hamburg; dieSchweizer schlössen sich mit den Discoursen der Mahlern an, und selbstGottsched glaubte mit den Vernünftigen Tadlerinnen für seine Gedankenerfolgreich werben zu können; die gleiche Absicht leitete die Bremer Beiträger(§ 418) bei der Herausgabe ihrer Neuen Beyträge zum Vergnügendes Witzes und Verstandes. Für die Schweizer wurden, wie bereits fürHaller bemerkt ist, insbesondere Milton und Pope (Z 357) von größter Be-deutung. Darin lagen vorerst ruhende Anlässe zum Bruche mit dem LeipzigerLiteraturgebieter (ß 355). Je offener aber dieser in das französische Fahrwassereinlenkte, um so mehr lockerte sich das Einvernehmen mit ihm, bis 1740Breitinger mit der Kritischen Dichtkunst und Bodmer mit der AbhandlungVom Wunderbaren in der Poesie ihm die Heeresfolge aufkündigten.

In ihrer Vaterstadt Zürich wirkten Johann Jakob Breitinger als Gymnasiallehrerund Johann Jakob Bodmer (Z 418) als Professor und Mitglied des Großen Rates-Gebildet und selbständig in ihrem suchenden Eifer um die echte Kunst, vertraten sie in den„Discoursen der Mahlern" entschiedener als der zurückhaltende Drollinger ihre besonders vonden Engländern übernommenen Ansichten- Breitingers Kritische Dichtkunst behandelte „diepoetische Malerei in Absicht auf die Erfindung, den Ausdruck und die Farben". Denn ihmwie Bodmcrn „ist die Dichtung redende Malerei, die der Einbildungskraft Bilder gibt, durchdie sie auf alle Sinne wirkt, nicht regelrecht, sondern phantasiegemäß wie der Maler durchseine farbenreichen Gemälde. Darum müssen des Dichters Bilder und Vorstellungen erhabenund wunderbar sein, und seine einzige Regel ist die poetische Hitze, die äußerste Passion, mitder er für seinen Gegenstand erfüllt ist." — Das war ungefähr das Gegenteil dessen, wasGottscheds Rationalismus (H 355) und der von ihm auf den Schild gehobene KlassizismusFrankreichs G 358) wollten. Bodmer entlehnte seine Waffen überall her. Mit Übersetzungengriff er auf Homer zurück. Mit Breitinger brachte er das deutsche Mittelalter zu Ehren undnahm Gottscheden die Herausgabe der Minnesinger und des Nibelungenliedes vorweg-Schließlich führte ihn freudigste Bewunderung Klopstocks in die Reihen der Seraphiker (Z 418).Mögen nun Bodmers eigene Erzeugnisse, Dramen und Patriarchaden hinter den Gesetzen wahrerKunst noch weiter als hinter seinen eigenen Forderungen zurückbleiben, so kommt doch ihmund dem nur theoretisch tätigen Breitinger ein wesentlicher Anteil an der Niederlage derfranzösischen Regelmäßigkeit und ihres Verfechters Gottsched zu. Die Anschauungen beiderSchweizer wurden von ihrem Landsmanne Johann Georg Sulzer, der als Gymnasial-lehrer und Mitglied der Königlichen Akademie in Berlin lebte, in der AllgemeinenTheorie der schönen Künste, einer Fundgrube von allerlei Wissenswertem, zusammen-gefaßt und, nach aufklärerischen Ideen nicht eben wesentlich gemodelt, auch dann noch ver-treten, als Lessings Geistesschärfe mit Irrtum und Mißverständnis auf diesem Felde auf-geräumt hatte.

8 355. Gottsched. All diese zersplitterten Bestrebungen in der ersten Hälftedes 18. Jahrhunderts konnten eine Klärung wohl vorbereiten, aber nicht herbei-führen. In hohem Grade kam Johann Christoph Gottscheds Lebenswerkdieser Aufgabe bei. Er ging aus der Aufklärung (Z 360) hervor, und nurim Zusammenhange mit dieser Geistesrichtung läßt sich sein Streben und Wirkenrichtig verstehen und gerecht beurteilen. Der Ausbau ihres Lehrgebäudes nachSeiten der Ästhetik ist sein Verdienst.

Gottsched War in Juditten in Ostpreußen geboren. Aus Furcht vor den WerbernFriedrich Wilhelms I. entrann der hochgewachsene Student nach Leipzig, wo er seit 1724an der Universität Vorlesungen hielt, später ordentlicher Professor wurde und in dieserStellung sich zum Gebieter des literarischen Geschmackes aufschwang. 1735 verehelichte ersich mit der geistvollen Adelgunde Kulmus (1713—1762), seiner „geschickten Freundin" un°getreuen Gefährtin, als alles ihn verließ. Wie die meisten und zudem besten Männer me>e