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Viertes Buch: Das Zeitalter des Absolutismus (1660-1740).
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der Natur fast allenthalben in französischen Landen durchzusetzen. — Gefördertwurde der Bruch mit dem volkstümlichen Kunstschaffen durch die Teilnahme desHofes an der Dichtung. Wie er, liebt sie Prunk und Pracht; nach ihm, vorallem nach der Person des Königs schielt sie wie das ganze Zeitalter; um seineGunst zu gewinnen, fügt sie sich dem Zwange kalter Regeln, erkennt sie Höf-linge als Kunstrichter an, modelt sie sogar die Ideen ihrer Schöpfungen nachMenschen und Verhältnissen der Zeit. Huldvoll wird ihr Frondienst an-genommen, ihre Fügsamkeit mit gesteigertem Anteile vergolten. Die Dichtkunstist eben hoffähig geworden, und- selbst ein Richelieu besitzt den unglücklichenEhrgeiz, zu ihren Priestern und Kennern zu zählen.
Weit genug haben diese Einwirkungen den Klassizismus von dem Be-reiche echter Kunst abgedrängt. Anderseits verdankt er wesentlich ihnen eine Ver-feinerung und Ausbildung in dem Maße, daß er mit der Unwiderstehlichkeitder Hochflut bald die dichterischen Gefilde fast ganz Europas zu überschwemmenvermochte.
Drama Mit ihren Grundlehrcn glaubte diese klassische Richtung an Aristoteles anzuknüpse»,dessen erfahrungsmäßig gewonnenen Betrachtungen in der Poetik sie für das Drama dasGesetz der drei Einheiten, der Einheit der Handlung, des Ortes und der Zeit, entnahm.Darnach hatte sich die Handlung ohne Unterbrechung an demselben Orte und in dem kurzenZeitraume eines Tages abzuspielen. Es ist unschwer abzusehen, welche Fesseln diese Forderungeigensinnig festgehalten, dem schaffenden Künstler auferlegen, und zu welchen Unwahrscheinlich-keiten sie bei einigermaßen verwickelten und umfassenden Stoffen nötigen mußte. Die Gegenständeder dramatischen Bearbeitung wurden gewöhnlich der griechischen und der römischenGeschichte, auch dem Morgenlande entlehnt, aber die Helden traten mit der Feinheitder französischen Gesellschaft und mit den Sitten des Hofes auf, eine Vermischung von Ver-gangenheit und Gegenwart, die mitunter an das Lächerliche streifen mußte. Und da Tonund Bildung der vornehmen Kreise in die Dichtung übertragen wurden, konnte es nichtfehlen, daß kaltes Pathos und hohle Deklamation häufig an die Stelle der Natür-lichkeit und der wahren Empfindung traten. Aber die Schönheit von Form und Sprache,die Glätte des Verses — der Gebrauch des Alexandriners <11 Z 355) war Gesetz —, diekunstmäßige Anlage entzückten ganz Europa und verschafften dem französischen Geschmackeüberall den Sieg.
Gleich bei dem ersten Dichter dieses Zeitraums machte die Akademie eineProbe auf ihre Macht, freilich ohne Erfolg; Pierre Corneille aus Rouen,der seinen Landsleuten verdientermaßen Aranck Oornsillo heißt, brachte nachweniger beachteten Erstlingsstücken, wie Llsäss, 1636 sein Hauptwerk Oiä zurAufführung. Heute steht fest, daß er sich darin auffällig eng an den SpanierGuillen de Castro angeschlossen hat. Bei den für Bühnenwirkungen sehrempfänglichen Franzosen aber fand der etwas romantische Stoff in einer demEuripides und dem Seneca nachgeahmten Form und in Corneilles prunkvollerDarstellung außerordentlichen Anklang.
Um so mehr hatten die Akademie und Richelieu daran auszusetzen. Jene ließ alsoEharsiain durch Jean Chapelain eine Kritik des Oiä vom klassischen Standpunkte aus veröfsent-llchen, und ein recht mittelmäßiger Kopf, George deScudery, dessen bekanntere SchwesterScudery Madeleine de Scudery durch ihre breiten Romane im Geschmacke der Zeit einen Namenwol—wo? und viele Nachfolger gewann, schrieb tadelnde Bemerkungen zum 6ick. Doch der BeifallM. de des Volkes wandelte sich nicht, wohl aber Corneille selbst. Denn was nun folgte, trägt1 KN-I 7 M deutlich das Gepräge des Klassizismus. In Frankreich gilt Corneille als derSchöpfer des französischen Schauspiels, und von seinen 33 Bühnenstücken wurdenHornes, Oinun, Roclo^uus, 1?ol/suets zu den mustergültigen Werken gerechnet. Überseine frühere Dramatik lautet das wohl allgemeine Urteil abfälliger, und Lessing hat be-kanntlich geäußert, jedes Stück des großen Corneille besser machen zu können.
Aus den Alten hatte Corneille die Lehre geschöpft, daß Nebensachen nichtauf die Bühne gebracht werden dürften, um das Gemüt nicht zu zerstreuen.Ihm kam es darauf an, die großen Antriebe, die eine Begebenheit innerlichbeleben, den Kampf zwischen Liebe und Ehre, hervorzuheben und die Gestalten