Boileau
1S36-1711
Epik
FenelonISS1—I71S
Lafontaine
ISLI-ISSS
620 Viertes Buch: Das Zeitalter des Absolutismus (1860—1740). 8 358.
Einer der angesehensten Dichter in Ludwigs XIV. Zeit war Boileau-Despreaux. Seine Bedeutung für das klassische Schrifttum, das ihn alsden „Gesetzgeber des Geschmackes" anerkannte, seine Verdienste um Sprache undStil durch die Xrt xoötigus sind bereits gewürdigt. Durchdringender Verstand,scharfe Beobachtungsgabe und treffender Witz überwiegen in ihm Gefühl undVorstellungsvermögen. Doch zeigt er in 1,8 lutrin (Chorpult) epische Anlagen.Freimütig rügt er in Satiren und Episteln die Erbärmlichkeiten der Dichter-linge und die Gebrechen der Zeit; ebenso freimütig wirft er den Jesuiten inGlaubens- und Geschmacksfragen den Fehdehandschuh hin; um so anstößiger sindin den Oden, die mit den Satiren ihm den Ehrennamen des französischenHoraz erwarben, niedrige Schmeicheleien gegen den König, seinen Gönner.Freilich hat das ganze Zeitalter an Schweifwedelei nichts zu tadeln gefunden.Doch hat Boileaus Haltlosigkeit nachweisbar dazu beigetragen, daß heute dasUrteil auch über sein Lebenswerk wider Gebühr abfällig lautet.
Zwar hatte kein Geringerer als Richelieu zur Pflege des Epos angeregt; aber alleVersuche auf diesem Felde, z. B. 1a kuvsils von Jean Chapelain, blieben unbeachtet.Erst Voltaire (ß 362) brachte durch die Lsuriuäs nach der Meinung der Franzosen auchdieser Gattung die Vollendung. Der Held des in England entstandenen Gedichtes istHeinrich IV. Läßt nun auch die Wahl des Stoffes an sich vermuten, daß Voltaire auchhier einen Kampf gegen priesterlicbe Unduldsamkeit beabsichtigte, so tritt doch diese Ideeaus der geschichtlich treuen Schilderung des Bürgerkrieges in wohllautenden Alexandrinernund mit all ihren allegorischen Gestalten kaum deutlich hervor. Das komische Epos 1aluosils dagegen kann auch die mildeste Auffassung nur als eine schwer entschuldbare Ver-irrung bezeichnen.
Wenn auch nicht in Versen geschrieben, gehören doch nach ihrem echt epischenCharakter und der dichterisch gehobenen Sprache die ^vouturss äe V^Ismaguodes Erzbischofs von Cambrai, de la Motte Fbnelon, hierher.
Dieser angesehene Kirchenfürst verdankte seinen Abhandlungen über Erziehung die Be-rufung zum Lehrer der Enkel Ludwigs XIV. (8 275). Zwar erscheint seine Duldsamkeit inGlaubensdingen heute in minderem Glänze als früher, aber Neigung zu verinnerlichtcrAuffassung des Katholizismus, die ihm Angriffe und Verdächtigungen selbst durch seinenehemaligen Freund Bossuet (8 276, 364, 3) zuzog, und männlicher Freimut mitten in der zeit-genössischen Heuchelei und Schmeichelei bleiben seine unbestrittenen Tugenden. Fenelon leiteteaus der Religion, deren Verquickung mit der weltlichen Macht er mißbilligte und die er alsunmittelbares Verhältnis der Seele zu dem göttlichen Urquell ansah, die Grundsätze einerverfassungsmäßigen Regierungsform ab, empfahl die Einberufung der Stünde und erklärtedie Verwaltung des Staates nach festen Gesetzen für Gewissenssache des Herrschers.Nicht der Glanz und die Größe des Staates, sondern die Wohlfahrt seiner Angehörigen istdas Ziel der Regierung. Kriege zum Zwecke der Eroberung oder wegen fürstlicher Ruhm-begier verdammt er auf das entschiedenste. Alle Staaten gehören einer großen Gemein-schaft an, daher sind alle Kriege Bürgerkriege. — Auch Islöiuugus ist aus solchenmenschenfreundlichen Überzeugungen heraus geschrieben. Dieser an Homers Odyssee an-knüpfende Fürstcnspiegel sollte den Erben des Thrones die Pflichten des Herrschers vorAugen stellen und ihn so vor den Irrwegen bewahren, auf die Ludwig durch Herrsch- undRuhmsucht geführt worden war. Seinem kriegerischen, verfolgungswütigen, prnnkliebendenund unbeschränkten Königtume setzt Fenelon das Idealbild einer friedlichen, duldsamen, Ge-setzen unterworfenen und aus Förderung eines unschuldigen, einfachen Volkslebens gerichtetenStaatsverwaltung entgegen. Noch war der Druck des Buches nicht beendet, da wurde esals Satire auf Ludwig, namentlich auf des neidischen Bossuet Betreiben, verboten, dafür abernach des Königs Tode über 150 mal aufgelegt und in alle europäischen Sprachen übersetzt-
Weitester Verbreitung und außerordentlicher Beliebtheit erfreuten sich auchLafontaines Fabeln.
Wie sein Leben ungeregelt war, so schwankte seine Schriftstellerei zwischen Schlüpfrig*keit in den Oontss und gewinnender Naivetät in den ludtss, die freilich nicht alle fürSchul- und Kinderbücher geeignet sind, sich aber gerade einer Welt voll Unnatur durchleichte, anmutige Behandlung, durch die naturnachahmende Mannigfaltigkeit des Ausdrucks,endlich durch die Freiheit von allem gezwungenen, förmlichen und steifen Wesen empfehlenmußten, überall hin verbreitet wurden und der gesamten Fabeldichtung der Folgezeit dasVorbild gaben.
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