8 368. Achtes Kapitel: Literatur von 1660 bis 1740 (1800). Kunst des Rokoko. 671
2 uenti n de la Tour, ein Künstler von außerordentlicher Produktivität, der „dasganze Paris" seiner Zeit porträtierte (Werke im Museum St. Quentin (80s, Bildnis derFrau von Pompadour im Louvre, Graf Moritz von Sachsen in Dresden) und der GenferJean-EtienneLiotard,derin allen Hauptstädten Europas, von Paris bis Konstantinopel,mtig war (in Dresden vier Pastelle, darunter das bekannte Schokoladenmädchen, und seinSelbstbildnis, im Amsterdamer Reichsmuseum 24 Pastelle, Selbstbildnis in den Usfizien).
Das bürgerliche Sittenbild findet in Jean-Simton Chardin einen gemüt-bollen und liebenswürdigen Vertreter: Tischgebet, Stickunterricht, Küchenlieferantin, 1apourvo^sass im Louvre, Köchinnen, Ermahnung (Galerie Liechtenstein in Wien), Wäscherin(Eremitage), Morgentoilette (Stockholm), Köchin (München). Seinerzeit hochgefeiert warJean Baptiste Grenze; er wirkt aber trotz seiner malerischen Vorzüge infolge seines rühr-seligen und moralisierenden Tones häufig abstoßend: der väterliche Fluch, die Dorfbraut,ver zerbrochene Krug, die Kinderstube, der Tod des Vaters (Louvre, 15 Gemälde), dasMilchmädchen (Rothschild), Köpfe, Brustbilder und Halbfiguren (bei Rich. Wallace inLondon, in der Münchner Pinakothek, in Berlin und in Leipzig).
Die Malerei Italiens zehrte noch von dem großen Erbe der Renaissance und desBarocks; sie bewahrt das nationale Gepräge, und nur in Venedig zeigen sich vereinzelteRegungen zugunsten des Rokoko. Giambattista Piazzetta geht neue Wege in der Be-gschdlung von Licht und Schatten: Der junge Fahnenträger (Dresden), Himmelfahrt Mariae(Lille, Museum). Er ist der Vorläufer des bedeutendsten Venezianer Malers der Rokoko-kpoche, Giovanni Battista Tiepolos, dessen glänzendes Kolorit auf Veronefes Mal-ättise zurückgeht, aber leichter und Heller gestimmt ist: Wandgemälde (Antonius undCleopatra) im Palazzo Labia (Orefice), Triumph des Glaubens, Deckengemälde in S. M.äella Pietä, Überführung des Hauses der Maria nach Loreto, Fresken an der Spiegeldeckebon S. M. degli Scalzi in Venedig, Deckenbild der Sala Rossa (Urteil Salomos), Engel-sturz im Treppenhause des erzbischöflichen Palastes in Udine, Fresken in der VillaBalmarana bei Vicenza (zu Jlias, Odyssee, Tassos und Ariosts Dichtungen), Wand- undDeckenbilder im Würzburger Schlosse (Leben Barbarossas im Kaisersaal, die vier WeltteileM Treppenhause), Fresken im Schlosse in Madrid (die Schmiede Vulkans, ApotheoseHispanias, Spanien und seine Provinzen); seine Ölgemälde zeichnen sich durch größere Ver-«efung und sorgfältigere Komposition aus: Altarbilder in S. Eustachio in Venedig(S. Jakobus mit dem gefesselten Mohren), Marter von S. Agatha im Santa, HimmelfahrtMariae und Engclsturz (im Würzburger Schloß), Gastmahl der Kleopatra (Eremitage); auchgeistvolle Radierungen sind von ihm vorhanden. Die Bildnismalerin Rosalba Carrierabervollkommuete die Technik der Pastellmalerei, die sie ganz in den Dienst des Rokoko stellte;°ie Dresdener Galerie besitzt 157 Pastelle von ihr (Andachtsbilder, Christusköpfe, Marien,Magdalenen und mythologische Gestalten). Gras Pietro Rotari malt und radiert besonderssveibliche Halbfiguren (h. Magdalena in der Dresdener Galerie) mit schwärmerischem undsentimentalem Gesichtsausdruck. Auch in der Landschaftsmalerei behält Venedig den Vortritt:^utonio da Canale (Tonino, Canaletto) schafft eine große Anzahl von Städteansichten(Prospekte und Veduten) von malerischem Reize und trefflicher Perspektive, die er zum Teilder Camera obscura verdankt; im Schlosse in Wiudsor befinden sich gegen vierzig seinerdesten und umfangreichsten Gemälde, in der Türmer Galerie eine Ansicht des Dogenpalastes,andere in Dresden, im Louvre und in der Liechtensteingalerie in Wien; außerdem hinterließkr eine Sammlung von 31 Blatt Radierungen. Sein Neffe Bernardo Belotto, derstch ebenfalls den Beinamen Canaletto zulegte, war auch sein Schüler und Nachahmer; erkommt ihm wohl in der Technik nahe, zeigt sich aber häufig nüchtern und manieriert: An-stchten (37) von Dresden, Pirna, Verona, Padua in der Dresdener Galerie, 13 Bilder imDiener Hofmuseum u- a. O. Ein anderer Schüler Canales, Francesco Guardi, maltPllder kleineren Maßstabes, aber von geistvoller Auffassung (sieben Bilder im Louvre, vierw Berlin).
Dem Eklektiker Pompeo Girolamo Battoni (Batoni) aus Lucca hat sein Bildh- Magdalena (in Dresden) einen Namen bei der Nachwelt gesichert; er soll sich anfangsach Raffael gebildet haben, unterlag aber bald den Einflüssen der französischen Rokoko-maler: Christus mit Heiligen in S. Celso e Giuliano (am Ponte S. Angelo), Sturz.^Zauberers Simon in S. M. degli Angeli in Rom, h. Familie (Eremitage, Brera),^"^avnes der Täufer (Dresden), Achill unter den Töchtern des Lykomedes lUffizien), Venus" Amor (bekannt durch Porporatis Stich, in russischem Privatbesitz), Susanns (Galerie°>arrach in Wien), Selbstbildnis (München), Doppelbildnis Kaiser Josephs II. und Groß-a°rz°g Leopolds (Wien). Gasparo Vanvitelli (van Mittel aus Utrecht, genannt daglil^cchmli) malt nüchterne Landschaften kleineren Formates, die durch wirksame Perspektive
M. de laTour
1704-1788
I. Liotard1702—1780
I. Chardin18SS-177S
I. Greuze1725-1805
Italien
G. Piaz;stta1882—1754
G. Tispolo1696—1770
R. Carriera1675-1757
P. Rotari1707-1762
A. da Canale1697—1788
B. Belotto1720-1780
F. Guardi1712-1793
P. Battoni1708—1787
. Vanvitelligeb. 1647