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Dritter Band.
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8 368. Achtes Kapitel: Literatur von 1660 bis 1740 (1800). Kunst des Rokoko. 673

beim Conde de Mllagonzalo (das früheste), und die Radierung mit dem Bolivarhut in denEaprichos u. a.; 1799 malte er die bekleidete und die nackte Maja (Prado); aus dem Jahre1781 stammt die Predigt des h. Bernardin von Siena und ein Christus am Kreuz für dieKathedrale Sän Francisco el Grande in Madrid, sowie die Erschießung von Straßenkämpferndurch die Franzosen (1808, Prado), die Wafferträgcrin (Budapest) und das Milchmädchen.Im Alter vollständig taub, verbittert und bald ganz vereinsamt (von seinen zwanzig Kindernblieb nur eins am Leben) bezog er ein Landhaus bei Madrid, seine Quinta hinter derSegoviabrucke, vom Volke die Huerta del Sordo genannt, wo er einst in besseren Tagendie Romeria di Sän Jsidro (ein Madrider Maifest, Prado) gemalt hatte; hier bedeckte erdie Wände mit grausigen, heute schwer zu enträtselnden Phantasien (Knüppelkampf, HexeUnd Dämon, Mörderin, Quelle des h. Jsidro, Hexenfahrt, jetzt im Prado). Seine Gemäldebilden aber nur die eine Hälfte seines Ruhmes und seines Lebenswerkes, die andere liegt inseinen Radierungen begraben (Einzelblätter und fünf größere Folgen); aus ihnen spricht dasFeuer seiner gemütlichen Erregtheit, seiner tollen Träume und Gedankenblitze. Wie in derFreskomalerei war ihm auch in der Radierung Tiepolo Vorbild gewesen. Aus dem Jahre1778, in dem er nach Velazquez' Bildern radierte, stammt unter anderen der Blinde, derZur Gitarre singt, und aus den achtziger Jahren der Garottierte und der Riese. In80 karikaturenhaften und phantastischen Radierungen, mit Aquatinta vertont (Oapriebos»Einfälle") verspottet er Hof und Geistlichkeit und geißelt als Philosoph die Schäden undLaster der Zeit. Die von einem Pfuscher verdorbenen 8usLos (Träume, fälschlich Sprich-wörter, Urovsrbios, genannt, 18 Blatt) sind Geistesverwandte der Quinta-Wandbilder,ohne erklärende Bezeichnungen von Goyas Hand und darum kaum je zu entziffern. DieDisastrss äs In Liusrin (18 Blätter, 1810 erschienen) schildern das Kriegsclcnd in denKämpfen der GuerilleroS (Freischärler) gegen die Napoleonische Soldateska. In der Dauio-wagnia (Stiergefechte) verfolgt er wieder rein künstlerische Absichten. In den Jähren 1809bis 1828 entstand sein lithographisches Werk (17 Blatt, darunter das Duell, die Spinnerinund die Tänzerin). Im Jahre 1824 siedelte er nach Bordeaux über, wo er am 16. April1828 starb.

England hatte bisher keinen bedeutenden Künstler hervorgebracht und Englandsich daher mit ausländischen Kräften behalfen: Holbein (ß 104) und van Dyck(8 263) wurden vom Königlichen Hofe angeworben und brachten die Züge derhervorragendsten Persönlichkeiten, die eine politische Rolle spielten, und ihresAnhanges auf die Nachwelt. Im zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts entstandindes eine durchaus national-englische Malerei, die rasch zu hoher Blüte kamund an künstlerischer Vollendung sogar die Länder des Kontinents überflügelte.

Holbein und van Dyck wurden vorbildlich für die neue englische Kunst, derenGlanzleistungen auf dem Gebiete des Porträts liegen sollten.

William Hogarth, Maler, Zeichner, Radierer und Kunstiheoretiker, ist vorwiegendSittenmaler von stark hervortretender, moralischer Tendenz, dessen beißende Satire und trockenerHumor sich oft in häßliche und karikierende Formen kleidet; so wenig seine Historienbilderunmuten, so ansprechend sind die wenigen Bildnisse und Gemälde von Volkstypen, die erhinterlassen hat. Bekannt sind seine Olbilderfolgen, die er später radierte oder radierenließ: Heirat nach der Mode, sechs Bilder in der Londoner National Gallerh, daS Lebeneines Wüstlings (acht Bilder), die Parlamentswahlen (vier Bilder) im Soane Museum inLondon, das Leben einer Dirne (im Privatbesitz), ferner: die sterbende Sigismonda, dasPunschgelage, der Musiklehrer, die Kenner (in Petworth), der Dichter in Not (GrosvenorHouse), Crevettenmädchen, Miß Fenton, die Dienerschaft des Künstlers, Selbstbildnis mitbem Hunde (National Gallerh), Garrick und Frau (Windsor), Captaiu Coram (FoundlingHospital). Er ist der Verfasser einer Ästhetik: Analyse der Schönheit, in der er u. a. auchbw Lehre von der Schönheitslinie, der Wellenlinie, aufstellte. Richard Wilfon ließ inNom Poussin und Josephe Vernet auf sich wirken und ward in England der Vertreter derT^oischen Landschaft, „der englische Claude Lorrain"; wie Poussin entnahm er seine land-lchaftlicheu Motive der Umgegend Roms: Villa Maecens, der Averner See, Niobiden-undschaft in der Londoner National Gallerh. Sir Joshua Reynolds, der einfluß-^R-onolds*sMste unter den Begründern der englischen Malerei, ein treffsicherer Zeichner, der aber auchTizian und van Dyck nachstrebte, wurde der Maler der vornehmen englischen Gesell-Ichaft ; besonders seine Kinderbildnisse sind von bestrickendem Reize; er soll über 2000 Bilder»emalt haben: der Prophet Samuel als Knabe, h. Familie, das Alter der Unschuld, dievrei Grazien, Ugolino, in der National Gallerh, der kleine Herakles und die Schlange,W-ber-Baldamus, Weltgeschichte. 21. Ausl. III. 43

R. Wilso»1114—1782