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Dritter Band.
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K 415. Drittes Kapitel: Europa und Nordamerika bis zur französischen Revolution. 761

und so erklärte sie denn, Preußen müsse mindestens vier polnische Palatinateerhalten. Seitdem gab Preußen das verbündete Polen preis. Mitgewirkthat dabei auch der Ausbruch des Krieges gegen Frankreich, der (besondersauch von der Zarin) als ein Krieg sür Thron und Altar bezeichnet wurde.

Der von mystisch-religiösen Ideen erfüllte Friedrich Wilhelm II. (Z 401)trug Bedenken, einer Verfassung Vorschub zu leisten, die vom Volke aus-gegangen war und mit den neufranzösischen Ideen einige Ähnlichkeit zuhaben schien. So versagte er den Polen jede Hilfe, und der Kurfürstvon Sachsen folgte seinem Beispiele.

Auf sich allein angewiesen, haben die Polen den Kampf gegen Ruß- ^ußW"land und die Targowicer zunächst mutvoll aufgenommen. Der Königrief das ganze Volk zu den Waffen; Thaddäus Kosciuszko, der inAmerika unter Washington für die Sache der Freiheit gefochten hatte(8 407), trat mit Jgnaz Potocki, Hugo Collontay u. a. an die Spitzeder Patrioten und widerstand bei Dubienka mit Ruhm und Erfolg i?. s»« 1702der russischen Übermacht. Aber Parteiung und Verrat, Geldmangel unddie Gleichgültigkeit des in harter Leibeigenschaft schmachtenden Volkeslähmten die Kräfte. Dazu kam die Schwäche des Königs. Statt die AUch«?Begeisterung der Vaterlandsfreunde zu benutzen, ließ er sich durch einendrohenden Brief der Kaiserin so einschüchtern, daß er dem TargowicerBunde beitrat, die Handlungen des Reichstags verdammte und alle 24 . Jun i?grFeindseligkeiten gegen die Zarin, „die Wiederherstellerin der polnischenFreiheit", untersagte. Schmerzerfüllt legten hierauf die Kämpfer fürPolens Wiederbelebung das Schwert nieder und verließen die Heimat,um der Rache der Gegner zu entgehen; der alte Zustand mit allen Miß-bräuchen wurde wiederhergestellt; Rußland gebot unbedingt in Polen,Warschau erhielt eine russische Garnison.

Preußen konnte dem nicht ruhig zusehen, da die Gefahr bestand, Luu"adaß die russische Militärmacht sich bis an die Grenzen der MarkBrandenburg ausdehne. Den früheren Verhandlungen entsprechend trat esnun mit seinen Ansprüchen hervor und erlangte zuerst von Rußland die D°z. EZustimmung zu der geplanten Besitzergreifung, dann auch von Österreich,dem dafür eine Entschädigung in Bayern zugestanden wurde. Mit Beginndes nächsten Jahres rückten preußische Truppen unter Feldmarschall Za„. iwsMöllendorf in Polen ein; zugleich wurde in Petersburg der preußisch-russische Vertrag über die zweite Teilung unterzeichnet. Der nach es. Ja».

Gr 0 dn 0 berufene Reichstag genehmigte nun unter dem Druck russischerTruppen zuerst die Abtretung der von Katharina begehrten Landschaften. 22 . Zu»Hartnäckiger widerstanden die Landboten der preußischen Forderung, zumalRußland dieselbe nicht aufrichtig unterstützte. Weil Preußen in denfranzösischen Krieg verwickelt war, glaubte die Zarin, ihm seine polnischeBeute entreißen oder wenigstens schmälern zu können; erst als derPreußenkönig mit dem Rücktritte vom französischen Feldzuge drohte (IV,

8 17) und nach Polen abreiste, änderte sich die Haltung Rußlands. Nungenehmigte der sogenannte „stumme Reichstag" die Abtretungen an 2s. S-m.Preußen.

Der Versammlungssaal wurde von russischen Truppen umstellt; und es war mit

russischen Gesandten Sievers vereinbart worden, daß nach Verlesung des VertragsMemand das Wort nehmen sollte: dieses allgemeine Schweigen wurde als ZustimmungSenommen. Dadurch, daß dieser Vorgang eine verabredete Komödie war, verliert er das«rhabene, was man ihm zugeschrieben hat.