Band 
Dritter Band.
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782
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782 Fünftes Buch: Das Zeitalter des aufgeklärten Absolutismus. Z 425.

1775 (IV, ^ 80) mit Anklängen an das Verhältnis zu Friederike Brion, Stella,ein Schauspiel für Liebende, in seinem Mangel an höherem sittlichem Gehalte„das verzerrte Gegenbild zum Werther", die Singspiele Erwin und Elmireund Claudine von Villa Bella stammen in ihrer ersten Gestalt aus derFrankfurter Zeit und geben Zeugnis von des Dichters rascher Erfindungsgabe,Gestaltungskraft und Sprachgewandtheit.

Diesem Lebenskreise wurde Goethe 1775 durch einen Ruf nach Weimar,dem Sammelplätze der größten Geister jener Zeit, entrissen. Plötzlich mitten indas Treiben eines gebildeten, heiteren Hofes versetzt, dessen Seele die geistreiche,anregende Herzogin-Mutter Anna Amalia war, im Besitze der Gunst und Freund-schaft des Herzogs Karl August, der Goethen zum Geheimen Rat ernannteund seine Gesellschaft und Unterhaltung kaum einen Tag entbehren mochte, be-wundert und umschmeichelt von jedermann, nur nicht von dem auf den bürger-lichen Eindringling scheelsüchtigen oder über seinen Einfluß auf den jugendlichungestümen Fürsten ehrlich besorgten Hofadel, ließ sich Goethe anfangs ganzvom Strudel des Lebens fortreißen. Über Festen und geselligen Freuden, überder Mühe um ein Liebhabertheater, für das er Singspiele Jery und Bätely,Lila, Die Fischerin, sowie kleinere dramatische Stücke Der Triumph

i77ö der Empfindsamkeit, Die Geschwister, auch eine Operette Scherz,List und Rache verfaßte, über Reisen in den Harz und in die Schweiz,über Staatsgeschäften und Zerstreuungen aller Art fand er nicht Zeit, die großenEntwürfe seines Inneren zu gestalten und angefangene Werke, wie Elpenor,

1784 Die Geheimnisse und andere, zum Abschlüsse zu bringen. Um so reicher wardie Ernte an Erfahrungen für sein Innenleben. Vor allem wurde der Umgangmit Charlotte von Stein, „welche die Welt sah, wie sie ist, und doch durchsMedium der Liebe", für seine dichterischen Erzeugnisse, besonders für seine Lyrikvon größtem Einflüsse.

8 425. Goethe auf und nach der italienischen Reise. Aus allerhand inneremund äußerem Ungemache flüchtete sich Goethe 1786 nach Italien. Alle Zauberdieses Landes in Natur, Kunst und Leben sog seine beglückte Seele begierigein. Den mannigfaltigsten Eindrücken gab er sich willig hin; mit den ver-schiedenartigsten Dingen, mochten sie auch außerhalb des Kreises seiner Gabenliegen, befaßte sich sein Schaffens- und Erkenntnisdrang. Doch ist die „Wieder-geburt", die Goethe selbst in Italien erlebt zu haben behauptete, mehr eineFestigung, Stärkung und Läuterung bereits in ihm wirksamer Ansichten vonKunst und Literatur gewesen. Der Augenschein ließ ihn das Wesen der wahrenAntike, zugleich aber diese als reinste Offenbarung aller Kunst erkennen undanerkennen, worauf schon Oesers Unterricht in Leipzig abgezielt hatte. Jetzttrat auch Shakespeare wie schon vorher Ossian gegen Homer und Sophokles,der letzte Rest kraftgenialischer Formlosigkeit gegen das Wohlgefallen an klassischerVollendung, die Gotik gegen griechrsche Baukunst zurück, und das Hellenentumwurde zum ausschließlichen Ideale in Leben und Kunst.

Nach Inhalt und Form ist der klarste Ausdruck dieser gefestigten Überzeugung die

1787 Jphigenie. Hier wußte Goethe „die reinste Blüte der modernen Sittigung mit denreinsten Formen des unbewußt schaffenden Altertums zu einer harmonischen Mischung zuverbinden". Diesem hohen Liede der reinen Menschlichkeit reihte sich das zarte, gemütvolle

1788 Schauspiel Torquato Tasso an, in hervorragendem Maße ein Selbstbekenntnis. Dennder mit tiefer Seelenkunde und bezaubernder Feinheit gezeichnete Zwiespalt zwischen Dichter undWeltmann ist aus Goethes innerster Erfahrung erschaut und mit seinen geheimsten Gefühlen er-faßt. Es ist nicht eigentlich eine dramatische Hochspannung der Handlung oder eine besondereTechnik in der Behandlung des Stoffes, die diese beiden und auch andere Dramen Goetheszu Kleinodien unserer Nationaldichtung gemacht haben. Vielmehr verleiht ihnen die Ver-tiefung der Charaktere und ihre anschauliche Klarheit unvergänglichen Wert. In ihrenHelden spiegelt sich die eine und andere Seite vom Wesen Goethes selbst, und mehr lyrischempfundene Ideen gewinnen in ihnen Form und Gestalt. In dem Trauerspiel Egmont,das vor der Jphigenie entworfen und vor dem Tasso vollendet war, erscheint noch die alte