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Dritter Band.
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8 428. Erstes Kapitel: Die Türkei und Persien. 791

Morea, Podolien und Asow verzichten (8 307). Damit war der Nieder-gang der Türkei besiegelt.

Solche auswärtigen Verluste können für einen Staat eine heilsame Folgehaben, wenn sie den Anstoß geben, die inneren Zustände zu bessern. DerVersuch dazu wurde gemacht, gelang aber nicht. Hussein Köprili, der nach der AMuSchlacht bei Zenta Großwesir geworden war, hatte zum Karlowitzer Frieden ^oßwesirgeraten, um Ruhe für eine großartige Reformarbeit zu gewinnen. Sie sollte ^ iMdie gesamte Verwaltung, das Heerwesen und die Flotte, die Finanzen, dasBildungswesen und die Lage der Christen umfassen. Indes er stieß bei denAlttürken auf Widerstand, nahm Ende 1702 seine Entlassung und ist balddarauf gestorben. So blieb auch der Übermut der Janitscharen ungebrochen;dazu bestand Mißstimmung über den Karlowitzer Frieden und über die weitereHaltung Mustafas II. Er hatte sich dem allgemeinen Unmut durch Übersiede-lung nach Adrianopel entzogen und überließ die Regierung völlig dem MuftiFeisullah, der nur für sich und seine Familie sorgte. In Konstantinopel bracheine Rebellion aus: Mustafa II. wurde, obgleich er den verhaßten Feisullah uosentließ, abgesetzt und starb bald darauf. Zum Sultan wurde an seiner Stellesein Bruder A ch m e d III. erhoben, Feisullah aber in grausamster Weise getötet.

Der neue Sultan machte den Versuch, das im Karlowitzer FriedenVerlorene zurückzugewinnen. Das gelang zunächst Rußland gegenüber,

Der bei Poltawa geschlagene und nach der Türkei geflohene Schweden-könig Karl XII. gab den Anstoß zu einem türkisch-russischen Kriege, der,wie wir wissen (Z 325), mit derRückgabevonAsow an die Türkei endete, uuDer Sultan war dabei mit dem Verhalten seines Großwesirs, der sichhatte bestechen lassen, nicht einverstanden, erneuerte aber den Krieg gegenRußland nicht (Z 325), sondern wandte sich gegen Venedig und Öster-reich. Auch den Verlauf dieser Kämpfe kennen wir schon; sie brachten uu-uwder Türkei einen halben Erfolg: im Frieden von Passarowitz erhielt in»sie Morea zurück, mußte aber den Banat und Teile Serbiens und derWalachei an Österreich abtreten (tz 329).

Bald daraus wurde die Pforte durch die Vorgänge in Persien inAnspruch genommen. Die Entthronung der schulischen Sefiden durchden sunnitischen Afghanen Mir Mahmud (Z 430) bewirkte ein Übergreifen unPeters des Großen nach Persien, und dies wieder führte zu einem Ver-trage zwischen Rußland und der Türkei, wonach von den persischen usiGrenzlanden die Westküste des Kaspischen Meeres (Baku, Derbent) anRußland, die Gebiete von Eriwan und Tiflis dagegen an die Türkeifallen sollten (Z 346). Zur Wiedereroberung dieser Lande begannAsch ras, der ebenfalls afghanische Nachfolger Mahmuds (H 430), denKrieg gegen die Pforte. Nun waren aber die sunnitischen Afghanen dieGlaubensgenossen der Osmanen und an sich deren natürliche Verbündetegegen die schulischen Perser (8 427), ein Kampf gegen sie in der Türkeialso nicht populär. Deshalb konnte Aschraf den widerwillig kämpfenden uWTürken eine Niederlage bei Hamadan beibringen. Da aber seine Herrschaftnoch von dem gestürzten Perserschah Tachmasp (§ 430) bedroht war,hielt er es für geraten, im Frieden mit der Pforte auf die umstrittenen u-nGrenzlande zu verzichten und den Sultan als geistliches Oberhaupt (Kalif)für Persien anzuerkennen. Dieser Erfolg des Sultans wurde aber baldwieder in Frage gestellt durch den Sturz Aschrass und die Erhebung 172 seines schulischen Schahs (ß 430): man mußte mithin auf weitere Kämpfemit Persien gefaßt sein. Um dazu zu rüsten, führte der Sultan eine neue