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Sechstes Buch: Südosteuropa und Asten.
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Akzise ein, die den Kleinhandel schwer belastete. Das gab den Anstoß zueinem Aufruhr in Konstantinopel, an dessen Spitze ein albanesi-scher Kleidertrödler, Patrona Chalil, stand. Da auch die Janitscharensich den Rebellen anschlössen, wurde Achmed III. gestürzt und in dieselbenKerkerräume des Serai geworfen, aus denen sein Neffe Mahmud, Musta-fas II. Sohn, auf den Thron geführt wurde. Achmed starb 1736 durchGift; er hat sich auch als Dichter und durch Begünstigung der Kunst(Brunnen Achmeds in Konstantinopel) hervorgetan.oÄ-Ää' Mahmud I. mußte auf die neue Steuer verzichten und war zu-nächst von Patrona Chalil abhängig, befreite sich aber aus dieser un-N°v. i7A> würdigen Lage durch dessen Ermordung. In dem neuen Kriege gegen1733-7738 Persien erlitten die Türken mehrere Niederlagen, und der große Nadir(8 430), der zum sunnitischen Glauben übertrat, erzwäng vom Sultan dieHerausgabe der 1724 türkisch gewordenen Gebiete (Eriwan, Tistis). DieserMißerfolg wurde aber dadurch ausgewogen, daß es Mahmud gelang, dastürkische Ansehen in Europa wieder sehr zu heben. Mahmud hatte mit1736 Persien auch deshalb Frieden geschlossen, um für Europa freie Hand zu haben.
Wir wissen, daß er nach einem glücklichen Kriege mit Österreich im Bel -1739 grad er Frieden die 1718 verlorenen Lande (Walachei und Serbien)zurückerhielt, daneben allerdings die Abtretung Asows an Rußland nichthindern konnte (8 333). Daß Rußland damit an das Schwarze Meervorrückte, war ja nicht unbedenklich, indes als ein viel größerer Gewinnerschien die Zurückdrängung Österreichs aus der Balkanhalbinsel. DerGedanke, die Balkanchristen vom türkischen Joch zu befreien, war vereiteltund die europäische Stellung der Türkei sehr gefestigt. So bewarben sichi7«-ii4s denn während des österreichischen Erbsolgekrieges (ß 370 ff.), dessen Aus-bruch der Türkei sehr zustatten kam, die europäischen Diplomaten wett-eifernd um die Gunst des Sultans: hätte er während dieses Krieges dieAngriffe auf Ungarn erneuert, so hätte das von größter Bedeutung fürdaS Schicksal der Habsburgischen Monarchie und also Europas werdenmüssen (ß 371). Obgleich Frankreich damals in Konstantinopel unzweifel-haft größeren Einfluß als die übrigen Mächte besaß (wie z. B. die Er-neuerung der alten „Kapitulationen" von 1535 (8 222 , 295) bewies),erneuerte der Sultan den Krieg gegen Österreich nicht, bot dann aber demfranzösischen König seine Vermittlung beim Aachener Frieden an (8 374).Das ist ein Zeichen für das Ansehen der Türkei und für das Selbst-bewußtsein, das damals in Konstantinopel herrschte.
Bei der Vermeidung eines europäischen Krieges ließ sich die Pfortei743-i7»e auch leiten durch die Rücksicht auf den Wiederausbruch des persischenKrieges. Er verlief im ganzen günstig für die Türkei. Nadir Schah1743 griff Mosul und Kars erfolglos an, besiegte dann zwar ein türkisches
1745 Heer in der Nähe von Eriwan, vermochte aber, durch innere Schwierig-
1746 keilen gelähmt (8 430), im Frieden keine Gebietsabtretungen zu erlangen:es blieb bei der Grenze von 1639 (8 252).
In dieser Zeit wirkte in Konstantinopel der französische Graf Bonneval. Geboren1675, hatte er zuerst bis 1704 im französischen Heere gedient, war dann durch den PrinzenEngen in die österreichische Armee aufgenommen, hatte unter ihm gegen die Türken gefochtenlind war zum General emporgestiegen. Wegen eines dienstlichen Zerwürfnisses verließ erÖsterreich, wandte sich 1729 nach der Türkei, trat 1730 zum Islam über, wurde Pascha(Achmed Pascha) und suchte die türkische Armee nach französischem Muster zu reorganisieren