Band 
I. Teil.
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Mittelalter.

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griff und mehrere von ihnen um die Wette mit Stangen den Brandschürten, vermochten sie doch nicht, die Kirche anzuzünden. Es lagenaber in dem gemeinen Keller der Brüder zwei Weinfässer, noch voll biszum Spunde, die man so zurückgelassen hatte, weil in der Not niemanddie Ochsen anzuschirren und zu treiben wagte. Diese Fässer öffnetekeiner der Feinde, vielleicht weil sie auf ihren Beutewagen Überflußdaran hatten. Denn als einer von ihnen den Eschenspeer schwang undeinen Reifen durchschlug, da rief Heribald, der schon vertraulich mitihnen verkehrte: „Laß das sein, guter Mann! Was denkst du denn,das wir trinken sollen, wenn ihr weggegangen seid?" Als der Ungardies durch den Dolmetsch vernahm, lachte er und bat seine Genossen,die Fässer des Narren nicht zu berühren.

Die Ungarn schickten Kundschafter, welche die Wälder und Ver-stecke sorglich durchsuchen sollten, und warteten, ob diese neue Kundebringen würden. Endlich breiteten sie sich über den Vorhof und die Wieseaus, um ihr Mahl zu halten. Ihre Führer setzten sich auf den Kloster-platz und schmausten reichlich. Auch Heribald wurde bei ihnen, wie er selbstspäter sagte, besser gesättigt als jemals in seinem Leben. Und als sienach ihrer Sitte auf dem grünen Grase ohne Sessel sich zur Mahlzeitlagerten, trug er für sich und einen andern Geistlichen, der von denUngarn gefangen war, Stühlchen herzu. Die Ungarn aber zerrissen dieSchulterstücke und die übrigen Teile der geschlachteten Tiere noch halbroh ohne Messer mit den Zähnen und verschlangen sie; die abgenagtenKnochen warfen sie im Scherz einer auf den andern. Auch der Weinwurde in vollen Bottichen in die Mitte gesetzt, und jeder trank ohneUnterschied, wieviel ihm beliebte. Als sie durch den Wein warm wurden,riefen alle greulich ihre Götter an und zwangen den Geistlichen und denNarren, dasselbe zu tun. Der Geistliche aber verstand ihre Sprachewohl, und sie hatten auch deshalb sein Leben geschont. Er schrie lautmit ihnen, und als er in ihrer Sprache zur Genüge Unsinn geschrieenhatte, stimmte er den Gesang vom heiligen Kreuz an, weil am nächstenTage Kreuzerfindung war, und sang unter Tränen: Lanotitiv» nos!Dies sang auch Heribald, obgleich er eine rauhe Stimme hatte, mit ihmab. Alle, die da waren, versammelten sich bei dem ungewöhnlichenGesänge der Gefangenen, sie tanzten in überströmender Freude vor ihrenHäuptlingen und rangen, andere kämpften auch mit den Waffen. Beidieser Lustigkeit hielt jener Geistliche die Zeit für günstig, um seine Be-freiung zu bitten: der Unglückliche flehte die Hilfe des heiligen Kreuzesan und warf sich weinend den Häuptlingen zu Füßen. Diese aber gabenwilden Sinnes ihrem Gefolge durch Pfeifen und greuliches Grunzeneinen Befehl. Die Krieger sprangen wütend hinzu, packten den Menschenim Umsehen und zogen ihre Messer, um an seinem geschorenen Haupteden Mutwillen zu üben, welchen die Deutschen das Picken (Messerwerfen)nennen, bevor sie ihn umbrächten. Während sie sich dazu rüsteten, kamen