Band 
I. Teil.
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Mittelalter.

dem sogleich zu melden, damit jene, die ungläubig wähnten, daß derheilige Gallus niemals von den Barbaren angegriffen werden könne,zur rechten Zeit nach ihrer Verschanzung zu fliehen vermöchten. Engel-bert selbst war dieser Meinung und trug fast zu spät die wertvollstenSachen des heiligen Gallus in die Burg. Die Feinde zogen nicht ge-sammelt, sondern brachen in Schwärmen über Städte und Dörfer, weilniemand widerstand, raubten und brannten aus und fielen unerwartetüber Sorglose her, wo sie gerade wollten. Auch in den Wäldern lagenihrer zuweilen hundert oder auch weniger, um hervorzubrechen. Nur derRauch und der rote Feuerschein am Himmel verrieten, wo gerade dieHaufen waren.

Es war aber damals unter den Unsem ein recht einfältiger undnärrischer Bmder, dessen Rede und Tun oft belacht wurde, mit NamenHeribald. Ihn mahnten die Brüder, als sie nach der Burg flohen, daßer auch fliehe. Er aber sprach: „Meinetwegen fliehe wer will; mir aberhat der Kämmerer in diesem Jahre kein Leder zu Schuhen gegeben;ich werde niemals fliehen." Da ihn aber die Brüder in der letzten Notmit Gewalt zwingen wollten, mit ihnen zu weichen, so sträubte er sichsehr und erklärte, niemals den Weg zu machen, wenn ihm nicht sein jähr-liches Leder gegeben würde. Und so erwartete er furchtlos die ein-dringenden Ungarn. Endlich flohen fast zu spät die Brüder mit anderenZweiflern, durch den Schreckensruf gescheucht: „Die Feinde dringenheran!" Heribald aber spazierte müßig auf und ab. Die köchertragendenUngarn brachen ein, mit Wurfspeer und Lanze drohend, suchten sieüberall; kein Geschlecht oder Alter hatte auf Erbarmen zu hoffen. Dafanden sie den Bmder allein, der furchtlos in ihrer Mitte stand. Siewunderten sich, was er hier wollte und wamm er nicht geflohen war.Die Führer befahlen den Mördem, seiner noch mit dem Eisen zu scho-nen, und fragten ihn durch Dolmetscher, und als sie merkten, daß erein großer Narr war, schonten sie seiner lachend. — Den steinernenMtar des heiligen Gallus hüteten sie sich zu zerwerfen, weil sie sich früherhäufig durch ähnliche Versuche aufgehalten und nichts als Knochen undAsche darin gefunden hatten. Endlich fragten sie den Narren, wo derSchatz des Klosters liege. Er aber führte sie rüstig zu dem verborgenenTürlein des Schatzhauses; sie erbrachen es, fanden darin nur Leuchterund vergoldete Kronleuchter, welche die Gligen bei der Flucht zurück-gelassen hatten, und gaben Heribald Ohrfeigen, weil er sie getäuschthabe. Zwei von ihnen bestiegen den Glockenturm, denn sie hielten denHahn auf der Spitze für golden. Und als sich einer hastig vorbeugte,um ihn mit der Lanze abzustoßen, fiel er von der Höhe in den Vorhofund kam um. Der andere stieg auf den Gipfel der östlichen Zinne, dafiel er rückwärts und wurde ganz zerschmettert. Diese beiden verbranntensie, wie Heribald später erzählte, zwischen den Türpfosten, und obgleichder flammende Scheiterhaufen den Türbalken und die Decke heftig er-