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Die Zeit des Absolutismus.
22. Aus den „Betrachtungen über den gegenwärtigen politischen
Zustand Europas."
Friedrichs erstes Politisches Flugblatt, unter dem Pseudonym eines Engländerserschienen.
Wenn meine Erwägungen so glücklich sind, das Ohr einiger Fürstenzu erreichen, so werden diese Wahrheiten darin finden, die sie nie ausdem Munde ihrer Höflinge und ihrer Schmeichler hören; vielleicht erstau-nen sie sogar, daß diese Wahrheiten ihren Platz neben ihnen auf demThrone einnehmen. Mögen sie also lernen, daß ihre falschen Grundsätzedie vergiftete Quelle des europäischen Unglücks sind. Der Irrtum dermeisten Fürsten besteht in dem Glaube" Gott habe die Menge vonMenschen, deren Wohlfahrt ihnen anvertraut ist, bloß aus ganz besondererSorge für ihre Größe, ihr Glück und ihren Stolz geschaffen und ihreUntertanen seien nur zu Werkzeugen und Dienern ihrer zügellosenLeidenschaften bestimmt.
Sobald der Grundsatz, von dem man ausgeht, falsch ist, könnendie Folgen nicht anders als bis ins unendliche fehlerhaft sein: daherder unmäßige Hang nach falschem Ruhm, daher die brennende Begierde,alles an sich zu reißen, daher die Trägheit der Fürsten, ihr Stolz, ihreUngerechtigkeit, ihre Unmenschlichkeit, ihre Tyrannei und alle dieLaster, welche die menschliche Natur herabwürdigen.
Wollten sich die Fürsten von diesen Irrtümern losmachen, wolltensie mit ihrem Nachdenken bis zu dem Zwecke ihrer Einsetzung hinauf-steigen, so würden sie sehen, daß ihr Rang, auf den sie so eifersüchtig sind,und ihre Erhebung nur das Werk der Völker ist; daß die Tausendevon Menschen, die ihnen unterworfen sind, sich keineswegs zu Sklaveneines einzelnen hingegeben haben, um ihn furchtbarer und mächtigerzu machen; daß sie sich keineswegs einem Bürger unterworfen haben,um Märtyrer seiner Launen und ein Spielball seiner Einfälle zu sein;sondern daß sie aus ihrer Mitte denjenigen ausgewählt haben, den siefür den Gerechtesten hielten, um sie zu regieren, für den Gütigsten, umihnen ein Vater zu sein, für den Menschlichsten, um Mitleid bei ihremUnglück zu fühlen und ihnen beizustehen, für den Tapfersten, um siegegen ihre Feinde zu beschützen, für den Weiseste?!, damit er sie nicht ohneGrund in verheerende und verderbliche Kriege verflechte — mit einemWorte: für den Mann, der am fälligsten wäre, den ganzen Staat zu re-präsentieren, und bei dem die höchste Gewalt zu einer Stütze der Gesetzeund der Gerechtigkeit und nicht zu einem Mittel, ungestraft Verbrechenzu begehen und die Tyrannei zu begründen, dienen sollte.
Stünde dieser Grundsatz fest, so würden die Fürsten immer diebeiden Klippen vermeiden, die zu allen Zeiten den Untergang der Reicheund die Verheerung der Welt verursacht haben: nämlich die ungemessene