VORWORT
D ie islamische Kunst, die bis vor wenigen Jahrzehnten nur aus#nahmsweise und in geringem Maße die Aufmerksamkeit derKunstforscher erregte, erobert sich neuerdings in Ü bereinstimmungmit der sonstigen wachsenden Bedeutung des Orients für das Abendlandin schnellem Laufe die ihr gebührende Beachtung und Stellung in der Ge#schichte der Kunst. Schon seit Jahrhunderten haben die OrientalistenHandschriften studiert und aus ihnen die Kenntnis der arabischen undpersischen Literatur gewonnen; aber erst in jüngster Zeit hat man ange#fangen, auch dem künstlerischen Schmuck der Manuskripte Beachtung zuschenken und die auf mesopotamischem, persischem und indischem Bodenzu islamischer Zeit gepflegte Miniaturmalerei zu beachten. Eine Reihevon Studien und Tafelwerken vermitteln uns jetzt die künstlerische Be#deutung dieses islamischen Buchschmuckes, aber nur eines Teiles des#selben. Ist doch im Vergleich mit den Handschriften und Miniaturen derislamische Einband zu kurz gekommen; auch in den Monographien überislamische Kunst wird der Bucheinband entweder gar nicht oder nur ober#flächlich behandelt. Wohl erregten die kostbaren orientalischen Buchein#bände im Ewkaf# Museum in Konstantinopel und im Kunstgewerbe#Museum zu Düsseldorf sowie in einigen Bibliotheken Bewunderung;wohl waren sie auf mehreren, den Islam betreffenden Buch# und Kunst#ausstellungen der letzten 20 Jahre, in Berlin, München, Paris und Wien,vertreten, aber in den mit diesen Veranstaltungen zusammenhängendenwissenschaftlichen Veröffentlichungen und Katalogen 1 ) kommen sie nichtso zur Geltung, wie es ihrer künstlerischen Bedeutung entspricht. Ameingehendsten hat sich Paul Adam, der vorzügliche Fachmann und ver#dienstvolle Herausgeber des Archivs für Buchbinderei, mit ihnen be#schäftigt 2 ). Auch der erschöpfende Nachweis der schon lange erkanntentechnischen Abhängigkeit des abendländischen vom morgenländischenBucheinbände steht noch aus. Eine Vorbedingung für die tiefere Er#kenntnis und richtige Einschätzung des islamischen Bucheinbandes und
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