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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS
zu gerne, dass er sich in guten Verhältnissen befindet, dass er viel Geldhat. Sorgfältig rasiert, den Kopf mit einem soliden Hute bedeckt, in einenweiten Ueberrock gehüllt, starke und gut gewichste Stiefel an den Füssen,sitzt er gespreizt auf seinem Wägelchen, das er selber lenkt Wenn ervorbeifahrt, springt man überall an die Fenster und alle Welt kenntihn : a Ah, der Herr Maire von dem und dem Ort ! t> Er versäumt nicht,bei den Wirtschaften anzuhalten; er ist sehr vergnügt und stolz, vonjedem Wirte mit einem respektvollen «.Guten Tag, Herr Maire! dbegrüsst zu werden. Und wenn er Freitags nach Strassburg fährt, umPrivatgeschäfte oder Gemeindeangelegenheiten zu besorgen, spielen dieAusgaben gar keine Rolle. Man lebt flott darauf los, geht mit den gutenFreunden, die man antrifft, ins Cafe, spielt Billard, raucht Zigarren, unddas Geld fliesst nur so dahin, wie wenn man es daheim auf dem Hofe zusam-menschaufeln könnte. Diese Eitelkeit steckt dem Bauern tief in der Seeleund spielt ihm manchen schlimmen Streich, ohne dass er sich dessenbewusst wird. Sie verleitet ihn nicht nur zu Ausgaben, die zu seinemEinkommen in keinem Verhältnisse mehr stehen, sie führt auch nichtselten direkt seinen Ruin herbei : wenn sich einmal, wie das ja Vor-kommen kann, finanzielle Schwierigkeiten einstellen, so fällt es demBauern nicht ein, durch Verkauf von Vieh oder einem Stück Land dieSache rasch wieder in Ordnung zu bringen — das könnte ja seinemAnsehen bei den Nachbarn schaden! Lieber wendet er sich an dennächsten besten Wucherer, der ihm gegen entsprechend hohe ZinsenGeld vorstreckt. So vermeidet man jede Blosstellung : der Jude verrätnie das Geheimnis; er schweigt wie das Grab, bis er eines schönenTages das ganze Anwesen an sich reisst. Der Israelit kennt genaudiesen wunden Punkt : alle Verkäufe werden durch Zwischenhändlerbesorgt, weil der Bauer sich nicht entschliessen kann, direkt seinenDorfgenossen ein Stück Landes zum Kaute anzubieten, damit diese nurja nicht erfahren, dass er Geld braucht. Viel bequemer ist es, sich vondem Zwischenhändler Geld vorstrecken zu lassen; nach einiger Zeitnimmt der letztere eine Hypothek aut das Anwesen und fängt mit demEinstellvieh an ; all das geht ganz heimlich und still vor sich, und dienächsten Nachbarn haben noch keine Ahnung davon, wie die Dingeeigentlich liegen. Der Schein wird so lange als möglich gerettet undman hofft immer und immer wieder, dass ein unvorhergesehener Glücks-fall Hilfe bringen werde.