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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
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55
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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS

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Diese letzteren stehen ganz und gar dem Vogt zur Verfügung ; wennsie nicht ausreichen, teilt er die Sachlage dem Bischof mit; alsdannwird der Bischof den Vogt mit seiner geistlichen Macht und dieserden Bischof mit seinem Degen unterstützen, so lange bis er aus Armutnur mehr auf zwei kalbsledernen Schuhen geht, d 1

Die Frohnhofleute legten Wert darauf, in die Urkunden Einzel-bestimmungen solcher Art aufzunehmen ; es machte ihnen offenbar einbesonderes Vergnügen, sozusagen einen hohen Herrn zu ihren Dienstenzu haben, der verpflichtet war, sie mit seiner ganzen Macht zu schützenund ihnen in jeder Weise beizuspringen; denn fast überall treffen wirdiese Klausel von den kalbsledernen Schuhen und den blossen Füssen.Wir sind aber nicht etwa der Meinung, dass alle diese Vorschriftenwortwörtlich zu nehmen seien. In Wirklichkeit werden dieselben wohlniemals praktisch geworden sein; aber der Geist, der aus ihnen spricht,ist überaus bezeichnend : er beweist die peinliche Sorgfalt, mit der dieHofleute bestrebt w^aren, ihr Recht genau festzulegen. Wir haben bereitsdarauf hingewiesen, dass die Rodeln im allgemeinen aus dem i j. und14. Jahrhundert stammen, aus der Zeit also, wo immer mehr dieÜbergriffe der Vögte in ihren bedenklichen Folgen sich bemerkbarmachten. Es war also dringend nötig, all 1 die alten Reglements wiederin ihrer Ursprünglichkeit herzustellen, und man scheute nicht davorzurück, möglichst viele Einzelbestimmungen einzufügen, um recht klarund deutlich hervortreten zu lassen, in welchem Sinne man diese altenGesetze verstanden wissen wollte.

Der Frohnhof war aber nicht die einzige Art ländlicher Gemein-wesen. Neben ihm entwickelte sich die Dorfgemeinde, in die schliesslichder erstere fast überall vollständig aufgegangen ist. Den Ursprungdieser Gemeinden aufzuweisen, mag in aller Kürze versucht werden.

Es ist kaum zu bezweifeln, dass der Frohnhof, der seinemKarakter und seiner Organisation nach germanischen Ursprungs ist,bis auf die ersten Zeiten der fränkischen Eroberung zurückgeht. Unterwelchen Bedingungen diese Eroberung sich vollzog, kann man sichunschwer vorstellen. Die in das Eisass eindringenden germanischenVölkerschaften haben hier nicht etwa ein unbewohntes Land vorge-funden. Ausser der einheimischen Urbevölkerung befanden sich hier

Hanauer a. a O.

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