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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS

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starke und blühende römische Nieder-lassungen. Nur hie und da erstrecktensich Waldungen weithin über einenTeil der Ebene und über die Berg-rücken an der Westgrenze des Lan-des, im übrigen war dieses wohl-bevölkert und urbar gemacht. Zahl-reiche Ortschaften tragen heute nochNamen, deren keltischer Ursprungausser Zweifel steht. Die Keltenhatten das Land bewohnt, die Römerdarin bedeutende Niederlassungengegründet, und die ersten Germanen,die über den Rhein gegangen waren,

Junge Mädchen aus der Umgebung von Weissenburg.

hatten sich gleichfalls hier angesiedelt. Die fränkischen Eroberer,die im Jahre 496 kamen, trafen also eine Organisation an, die

allerdings durch die fast ununterbrochenen Kriegszüge schwererschüttert war, in der aber die keltischen und römischen Ein-richtungen wie auch die allemannischen Gewohnheiten immer nochzur Geltung kamen. Das Eisass wurde von einer sehr gemischten,aber durchweg ackerbautreibenden Bevölkerung bewohnt. Ein Teilderselben, und zwar wahrscheinlich gallo-römische Elemente, ist mitdem Eindringen der Franken verschwunden, sei es nun, dass die Leute

voller Schrecken die Flucht ergriffen, sei es, dass sie bei der Ver-

teidigung ihres Besitzes zu Grunde gingen. Alle herrenlosen Besitzungen,sowie die weitgedehnten Waldungen und die überall vorhandenen ödenLändereien bildeten das königliche Domanium der ersten Merowinger,das alsbald zum Teil unter die Führer des fränkischen Heeres und

an die Klöster vergeben wurde, deren Entstehung und Entwickelungim Lande von diesen Fürsten sehr begünstigt ward. Die fränkischenKrieger aber haben sich ganz einfach einen Teil dessen, was dieBesiegten besassen, angeeignet, ccZumeist d, sagt Veron-Reville, «.hat derSieger nicht unmittelbar dem Besiegten sein Eigentum entrissen. Inden ersten Zeiten der Besitzergreifung legten sich die Krieger beider Bevölkerung ins Quartier, gerade wie es einstmals die römischenTruppen gemacht hatten, wenn sie in die Provinzen geschickt wurden.Während aber der römische Soldat, da wo er einquartiert wurde, nur