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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS

Geschmack und gleichzeitig die Schleife in der ärgsten Übertreibungan. Man kann sogar im allgemeinen sagen, dass man gerade dort, wodie Kleider nach der Tagesmode gemacht werden, der Schleife dendenkbar grössten Umfang giebt ; auf dem Lande stösst sich niemanddaran, wenn jemand einen Rock nach dem neuesten Modejournal undeine seidene Schürze, auf dem Kopfe aber eine ungeheure Schleife trägt,deren Bänder beiderseits bis auf die Schultern herabfallen.

Der allgemeine Ursprung dieses Kopfputzes scheint eine ArtKäppchen von Gold- oder Silberbrokat gewesen zu sein, das den Kopfvom Scheitel bis zum Nacken bedeckte. In gewissen Ortschaften wurdedieses Käppchen durch Bänder festgehalten, die in besonderen Schnür-rinnen liefen, und aus deren allmählicher Vergrösserung ist wohl diejetzige Schleife hervorgegangen. An andern Orten sind die Bänder inihrer ursprünglichen Gestalt und Bestimmung beibehalten worden ; hierhat man als Schmuck Spitzen verwendet, die bald wie eine Krone dasKäppchen rings umgeben, bald nach vorne zusammengefasst den Kopfwie eine Kaputze einhüllen. Der Gebrauch der Elsässer Schleife breitetsich übrigens auch heutzutage noch immer weiter aus und verdrängtlangsam das Häubchen sogar in der Umgegend von Weissenburg. DasSpitzenhäubchen ist schon jetzt fast ganz verschwunden, es wird nurmehr in wenigen Ortschaften getragen, wie in Oberehnheim, Krautergers-heim und Meistratzheim ; in Krautergersheim werden die Spitzen inbesonders grossem Umfange verwendet.

Kommt man also von Norden her, so trifft man die Schleife zuerstin der Umgebung von Merzweiler an. Sie hält sich hier noch inbescheidenen Grenzen, und ihre ursprüngliche Bestimmung lässt sichnoch beobachten in dem Kopfputz der kleinen Kinder und der altenFrauen, wo sie flach über die Ohren herabfällt und nur von der Seiteher gesehen wird; die jungen Mädchen und die jungen Frauen aberhaben schon mehr die Mode aus der Umgebung Strassburgs angenommen,wo sich die Schleife von vorne her in voller Pracht darstellt. DerHagenauer Forst hat von jeher eine bedeutsame Schranke im Eisassgebildet. Die Moden südlich von ihm sind niemals auf dem geradenWege nach dem Norden vorgedrungen, immer haben sie um den Waldherum auf dessen Westseite Verbreitung gefunden. So finden wir dennauch die Elsässer Schleife, die man in Brumath, Ingweiler und Pfaffen-hofen trägt, wohl in Merzweiler, Mietesheim und Uhrweiler, nicht aber