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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS
wie ein Diphtong zwischen au und eu und klingt auf jeden Fall wenigharmonisch.
Sehen wir uns diese Tafel näher auf das Kostüm an, so findenwir, dass der Bauer ziemlich weite Hosen und eine Art Wams trägt,dessen Schösse mit Taschen versehen sind ; die Ärmel sind bis zumEllenbogen bauschig und von da bis zu der Hand enge geschlossen.Im ganzen unterscheidet sich der Bauer von den übrigen Figureneigentlich nur durch den Kopf. Die Edelleute und die Bürger sind mitSchnurrbart und spitz zugeschnittenem Kinnbart geschmückt und tragensehr hohe Hüte mit breiten Rändern ; der Bauer aber ist glatt rasiertund trägt nur eine Art Kappe, die an die bekannte Kopfbedeckungunter Ludwig XI. erinnert; hinten und an den Seiten ist der Randeingeschlagen, vorne verlängert; eine Hahnenfeder dient zum Schmucke.Diese Art Kappe mag wohl französischen Ursprungs sein; im 15. Jahr-hundert ist ja Ludwig XI. mit seinen Kriegsscharen in unser Landeingedrungen, und die Erinnerung an das Auftreten der Armagnaken(die armen Gecken) ist im Eisass heute noch lebendig.
Merkwürdig ist auch die Art und Weise, wie auf diesem Blatt dieSäcke bezeichnet sind, auf die sich der Bauer stützt. Heutzutage werdendie Säcke, in denen das Getreide auf den Markt gebracht wird, gewöhnlichmit den Anfangsbuchstaben des Namens, einer Krone und einer Jahr-zahl versehen. Früher gehörten diese Säcke zu der Aussteuer, welchedie angehende Bäuerin ihrem Mann in die Ehe brachte ; daher stammtwohl der Brauch, dass man sich nicht auf die blossen Anfangsbuchstabenbeschränkt, sondern einen gewissen Schmuck damit verbindet. Im17. Jahrhundert wird nun der Gebrauch der Schrift in bäuerlichen Kreisennoch recht wenig verbreitet gewesen sein; statt mit Anfangsbuchstabendes Namens und mit Ziffern wurden daher die Säcke mit besonderen,in der engeren Umgebung wohlbekannten Figuren ausgestattet, die alsoeine Art von Geschäftsmarke darstellten. Die Bedeutung der Zeichen,die auf dem Blatt 21 abgebildet sind, zu erklären, ist uns nicht gelungen ;wir zweifeln aber nicht daran, dass dieselben den hier besprochenenSinn haben.
Tafel XXII desselben Werkes stellt wieder einen elsässischen Bauerndar, gleichfalls mit der Peitsche in der Hand. Wie der vorige ist aucher glatt rasiert und trägt dieselbe Kappe. Er scheint eine Weste anzu-haben, darüber einen langen Rock, wie er oben schon beschrieben