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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS
ganze Gesellschaft die heiteren oder wehmütigen Weisen unserer schönenelsässischen Volkslieder erschallen. Es gilt als besonders schön, wennein Bursche oder ein Mädchen cdie zweite Stimme t » singen kann. Inder Regel wird auch getanzt, und dies ist die Gelegenheit, bei derjunge Mädchen und Burschen das Tanzen überhaupt lernen. Dabei wirdentweder ganz ohne Musik, einfach im Takt getanzt, oder ein Bursche,manchmal auch wohl ein Mädchen, spielt im Tanzen eine einfache Weiseauf einer Mundharmonika vor. Gewöhnlich tanzen die Mädchen mitMädchen und die Burschen mit Burschen. Nur scheu erhascht sichmanchmal ein Bursche die Maid, die ihm gut ist, und schwenkt sieverstohlen ein paar Mal im Kreise herum. Doch niemand darf eserfahren; denn Pfarrer und Bürgermeister haben ein wachsames Augeauf alle Ausgelassenheiten, die in manchen Dörfern auch Vorkommen.Bei Einbruch der Dunkelheit kehrt die ganze fröhliche Gesellschaftsingend ins Dorf zurück und geht nach Hause. Im Winter treffen sichdie jungen Leute in der Kunkelstube, wo man angeblich zum Spinnenzusammenkommt ; die Hauptsache ist aber, dass dabei allerlei Pfänder-spiele getrieben werden.
Wenn ein ebenbürtiges Verhältnis zwischen zwei jungen Leutenernster zu werden beginnt, so lassen die beiderseitigen Eltern ruhiggewähren. Es wird dann auch nichts dagegen eingewandt, wenn dasPärchen allein und unbeobachtet verkehrt, wenn die beiden am Sonntagin ein benachbartes Städtchen ins Wirtshaus oder zum Tanze gehen undnachher erst in später Nacht nach Hause kommen. Die Alten habensja auch so gemacht!
Wenn aber die Eltern der jungen Leute auch im Prinzip mit derHeirat einverstanden sind, so geht doch die Sache nicht so einfach zu,und es «kostet Hitze», bis die Parteien einig sind. Die Festsetzung derMitgift ist ein schweres Stück Arbeit. Wieviel wird da hin und hergeredet, gehandelt, disputiert! Kein Vater möchte, dass von der andernSeite weniger mitgebracht wird, als sein Kind bekommt. Jeder Acker,jeder Ohm Wein, jedes Stück der Aussteuer wird der Reihe nach erwogenund abgeschätzt. Der eine Vater kann es nicht verwinden, dass er mitvier Rossen fährt, während der zukünftige «Gegenschwäher» deren nurdrei hat; der andere aber findet es unbillig, dass er seiner Tochter16 Acker mitgeben soll, wo doch ihr Verlobter nur 15 mitbekommt.Die eine Mutter hätte gern einen noch reicheren, noch bräveren und
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