TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS
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noch schöneren Tochtermann; hingegenmöchte die andere Mutter eine noch reichere,bravere und schönere Sohnsfrau in ihrHaus einziehen sehen. Auch die körper-lichen und geistigen Fehler der jungenLeute werden von der andern Seite mitcynischer Unbarmherzigkeit erwähnt undbei der Festsetzung der Mitgift berück-sichtigt. So wird tüchtig geschrieen undgeschwitzt, bis endlich ein leidliches Ein-vernehmen erzielt ist. Jeder Bauer würdeseiner Würde etwas zu vergeben glauben,wenn er nicht auf seinen Forderungenbestünde.
Selten geschieht es, dass beide Par-teien wirklich und aufrichtig ganz zufrieden sind, und sogar diejenigenhäufigen Fälle, in denen aus dem Verhältnis und zwar meistens mitAbsicht der beiden Beteiligten, bereits Folgen entstanden sind, vermögenoft nicht, die Unterhandlungen zu beschleunigen. Gar oft geschieht es,dass sich noch im letzten Augenblick an dem Starrsinn der einen Seitealles zerschlägt und die hoffnungsvolle Braut eine unglückliche Ge-fallene wird.
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Wenn nun alle Abmachungen glück-lich erledigt sind, wird zur Abfassung desEhevertrages geschritten. Dieser wurdefrüher in dem Dorfe des Brautpaares selbstaufgenommen, und wenn dieses in ver-schiedenen Dörfern wohnte, in demjenigen,wo die Hochzeit nicht stattfinden sollte.Schon früh am Morgen rückte der Notarmit seinem Schreiber an, um den Ehe-vertrag fertig zu machen. Wenn dann nach
1 Diese Abbildung eines städtischen Kostüms zeigtden Halskragen in ganz ähnlicher Form, wie er heutzutagevon den Bäuerinnen getragen wird.
2 Beachtenswert ist hier die Art und Weise wie dasHalstuch geknüpft ist mit den in das Mieder eingestecktenEnden, sowie die Einfassung der Schürze, die man auch inheutigen Kostümen wiederfindet.