TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS
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findet. Meist laden Braut undBräutigam zusammen die Gästeein. Diese Einladungen gebenmanchmal zu förmlichen ReisenAnlass, die immer am Sonntagausgeführt werden, wo jedermannsicher daheim anzutreffen ist.
Selten ist die früher allgemeinübliche Art der Einladung derGäste durch den Bräutigam undden zukünftigen Brautführer ge-worden. Beide erscheinen zuPferde, in flottem Trab, mitlautem Hufschlag. Die Tiere sindsauber geputzt, mit schönemGeschirr ausgestattet und gleich
den Reitern mit Bändern und Blumen geschmückt. Vor jedem Haus, woeingeladen wird, künden die Beiden ihre Ankunft durch einen Pistolen-schuss an. Die Nachbarsleute gucken aus den Fenstern, und die Dorf-schönen blicken verstohlen nach den beiden strammen Burschen. DieHochzeiterin wird im stillen um ihren Geliebten beneidet, und ob derBrautführer wohl noch ledig sein mag? In der Stube angekommen,werden die beiden mit ausgesuchter Freundlichkeit empfangen. DerBauer holt sogleich ein Krügel vom Besten herauf, und nicht seltenwird rasch eine Platte «Gebrat’s» oder «RippleD und Bratwurst zubereitet.Doch ehe man sich setzt, sagt der Brautführer: «Ja, dis Ding isch niteso» und spricht in möglichst reinem Hochdeutsch einen Ladungsspruchmit ungefähr folgenden Worten:
Hier kommen wir in Gottes Namen,Euch freundlich laden allzusammenAm Dienstag zu dem HochzeitsmahlMit aller werten Freunde Zahl.
Doch erstlich werdet Ihr gebeten,Ins Gotteshaus mit einzutretenUnd dort an heil’ger Statt’ und Ort
Zu hören das heil’ge Gotteswort;
Zunächst für diese Eheleut zu bitten,
Gott möge sie reichlich überschüttenMit seinem Segen, Gnad’ und GeistDamit ihr Ehestand glücklich heisst;Sodann zugleich mit anzuschauenWie sich die jungen Ehleut’ lassen trauen,
' Nach Zeichnung von Zix (im Kunstmuseum der Stadt Strassburg), die unterelsässische Bauerndarstellt (1800). Die Weste ist rot, der Rock weiss.