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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
Entstehung
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101
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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS

führer und Brautjungfernallzeit heiter und lustigsind und stets mit lachen-dem Gesicht daherkommen.

Auch in der Umge-bung von Molsheim über-bringen die Brautführerallein die Einladung. Indem mehrerwähnten Jahr-buch des Vogesenklubs fin-den wir mehrere merkwür-dige Formeln abgedruckt,die für solche Einladungenüblich sind. So lautet eineaus Dahlenheim :

« Ihr werdet nichtwissen, was dies soll be-deuten, dass ich und meinKamerad die Thürschwelle überschreiten; es ist nicht wegen mir undauch nicht wegen meines Kameraden, sondern wegen dem BräutigamN . . . und seiner vielgeliebten Jungfer Braut. Diese haben uns aus-geschickt, um euch gute Freunde zur Hochzeit einzuladen. Es solleneingeladen sein alle im ganzen Haus, gross und klein, keines soll aus-geschlossen sein, als am nächstkünftigen .... Vor- oder Nachmittags,Urn .... Uhr im Hause des Br ... . zu erscheinen, dort den Ehren-kranz abzuholen, den Kirchgang helfen zu zieren, den lieben Gott zubitten und zu beten, dass sie den Ehstand mögen heilig antreten. Nachgeendigtem Gottesdienste sind sie zum hochzeitlichen Gastmahle einge-laden; der Kellermeister wird sich bemühen, lauter gesunde und feineSpeisen aufzutischen, nebstdem auch roten und weissen Wein, dannw °llen wir recht lustig und fröhlich sein.»

Aus Irmstett bei Wasselnheim stammt der Spruch :

«Ehr- und tugendsamer, lieber und guter Freund, Ihr möcht wohlwissen, was das will bedeuten, dass ich und mein Kamerad Eure Thür-

1 Dieses junge Mädchen trägt die frühere Haube, deren Bänder flach die Ohren bedecken.

Tunges Mädchen von Mietesheim. i