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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS
Vaters und eine jüngere Schwester der Mutter heben oftmals das Kindaus der Taufe. Das hat auch seinen guten innern Grund. Pate und Patinsollen bei Gelegenheit Vater- und Mutterstelle vertreten können.Zwischen ihnen und ihren Patenkindern besteht eine gewisse geistigeVerwandtschaft, die sie erforderlichen Falls ohne weiteres an die Stelleder Eltern treten lässt; sie sollen also eigentlich die letzteren überleben,weshalb man unter den jüngeren Leuten die Auswahl trifft. Die Paten-schaft begründet somit eine Art von besonders intimer Verbindung, unddaran wird auf dem Lande auch heute noch sehr festgehalten. Wennzum Beispiel ein Onkel oder Vetter Pate wird, so wird das Kindniemals Onkel oder Vetter, sondern immer Pate, cPfetter:», zu ihnensagen. Ebenso wird die Patin ohne weiteres zur cGöttel», ganz ohneRücksicht auf das sonstige verwandtschaftliche Verhältnis.
Die Herkunft der beiden Ausdrücke Pfetter und Göttel wird sichwohl schwer feststellen lassen. Von den hochdeutschen Wörtern Pateund Patin sind sie viel zu sehr verschieden, als dass man hier an einenZusammenhang denken könnte. Bemerkenswert ist, dass in einigenGegenden des Oberelsasses die Patin «.d’Göttel» und der Pate «d’rGotte» genannt wird. Hier denkt man unwillkürlich an die hochdeutschenWörter Gatte und Gattin : sollten etwa die Bezeichnungen Gotte undGöttel gerade so von Gatte und Gattin abgeleitet sein wie im Französi-schen Parrain und Marraine von Pere und Mere? Bei dem «; Pfetter 5 ) liegtder Zusammenhang mit a. Vetter3> sehr nahe: da die Patenschaft, wieschon erwähnt, eine besondere Art von Verwandtschaft mit sich bringt,so konnte man recht wohl eine Vetterschaft daraus machen, umsomehrals bekanntlich der Ausdruck <l Vetter» gar oft auch dann gebrauchtwird, wenn von einer Verwandtschaft überhaupt nicht die Rede ist.
Ist der für die Taufe festgesetzte Tag herangekommen, so versammeltman einige gute Freunde um sich, aus denen sich für den Kirchgangein kleiner Zug bildet; an der Spitze geht die Hebamme mit demTäufling, an sie schliessen sich Pate und Patin; dann erst folgt derVater mit seinen Freunden. Nach der Taufe kehrt man in der gleichenOrdnung nach Hause zurück. Inzwischen hat sich aber vor der Kircheein grosser Kinderschwarm angesammelt, der auf die herkömmlichenBonbons wartet, von denen man eine gehörige Menge auswerfen darf,wenn man unbehelligt heimkommen will. Noch lange nach der Heim-kehr hört man draussen auf der Strasse die Kinder lärmen und