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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
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116
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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS

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Hühner picken auf dem Boden umher, in der Luft summt es vonzahllosen Insekten; Kinder spielen zwischen den Gräbern; einige grosseObstbäume spenden freundlichen Schatten, so lange sie nicht für einfrisches Grab Platz machen müssen; nur vereinzelt unterbricht hie undda schmerzliches Weinen und Seufzen diese friedliche Stimmung. Aufdem Dorfe bestehen gewöhnlich gute Beziehungen zwischen den Lebendenund ihren Todten; jeden Sonntag besucht man, namentlich wenn derFriedhof um die Kirche herum liegt, nach dem Gottesdienste die Gräber,um seiner Ahnen im stillen Gebete zu gedenken. Diese «.Gottesäcker»,wie sie gerne genannt werden, geben uns nach mancher Richtung guteLehre ; vor allem zeigen sie uns, wie lange das Gedächtnis der Menschensich erhält. In den letzten Reihen dieser Grabfelder ist alles in schönsterOrdnung: frische Blumen, hübsche Kreuze, wohlerhaltene Kränze.Weiterhin verflachen sich allmählich die Grabhügel ; nur Immergrün undwilde Veilchen, die auch ohne Pflege alljährlich von selbst wiederausschlagen, schmücken die Gräber, die nur unbestimmt durchbewachsenen Fussweg von einander geschieden sind; einzelne Bäume undGebüsche sind mächtig herangewachsen, die spärlichen Grabdenkmälervon Moos und Flechten überwuchert, zusammengebrochene Kreuzestrecken nach allen Richtungen ihre dünnen Arme in die Luft. Aus denkaum noch lesbaren Inschriften lässt sich hie und da entziffern, dasshier vor weniger als hundert Jahren Leute eingegraben worden sind,von denen man heutzutage nichts mehr weiss, und doch trugen siedieselben Namen, die jetzt noch im Dorfe getragen werden; siebewohnten die gleichen Häuser wie ihre heutigen Enkel, sie haben inderselben Kirche gebetet, sie hatten die gleichen Sorgen und Hoffnungenwie ihre jetzigen Nachkommen. Und all diese Vorfahren, die in unsweiterleben, haben wir so gründlich vergessen, wie man auch unsdereinst vergessen wird. 60, 80, ioo Jahre haben genügt, die Spurenihres Daseins völlig zu verwaschen. Vor 60, 80, ioo Jahren ward dieErde feucht von den Thränen, die um sie vergossen wurden, geradewie man einstmals um uns klagen wird; ein Priester hat über ihrerLeiche die Gebete gesprochen, die auch uns einst gelten werden ; unddoch wissen wir schon heute nicht mehr genau, an welcher Stelle ihrespärlichen Überreste sich weiter auflösen. Mehr als sonstw r o drängtsich in so einem stillen Dorffriedhofe die Vergänglichkeit desMenschengeschlechtes dem Bewusstsein auf; wie rasch schwänden die