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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS

durch den Friedhof und sieht nach, ob alles in Ordnung ist. Im übrigenfindet er sich sehr rasch mit einer unabänderlichen Thatsache ab.

Wenn ein Todesfall eintritt, so wird er der ganzen Verwandtschaftunter Angabe von Tag und Stunde der Beerdigung angezeigt ; dieNachbarn nehmen von selbst, auch ohne besondere Einladung, an derBeisetzung Teil. Sie pflegen auch die Totenwache in den beiden Nächtenzu übernehmen, in denen die Leiche gewöhnlich ausgestellt wird.Während dieser Totenwachen wird von den Frauen von Zeit zu Zeitlaut gebetet und dazwischen geplaudert; bei dieser Unterhaltung nehmennatürlich Totengeschichten den grössten Raum ein. Gegen Morgenwerden die Kräfte, die von all den vielen Aufregungen angegriffen sind,mit einem Schluck Branntwein und einem Stück Brot wieder aufgefrischt.Der Schreiner, der den Sarg liefert, hat auch die Einsargung der Leichevorzunehmen, eine trübselige Arbeit, die er aber gerne auf sich nimmt ;denn die Herstellung der Särge bedeutet für ihn eine hübsche Einnahme-quelle, da dabei von der Kundschaft im allgemeinen auf besonders sorg-fältige Arbeit kein Wert gelegt wird. Ist der Sarg geschlossen undzugenagelt, so stellt man ihn auf einer Tragbahre in den Hof oder inden Vorraum, der auf die Strasse geht. Bei den Katholiken wird nebendem Sarg ein kleiner mit weissem Tuch bedeckter Tisch aufgestellt,darauf ein Kruzifix zwischen zwei Wachskerzen und ein Glas Weih-wasser mit einem Buchsbaumzweig ; jeder Vorübergehende besprengtden Sarg mit einigen Tropfen Weihwasser und spricht dazu ein kurzesGebet.

Im Innern des Hauses sind die nächsten Verwandten versammelt,um die Eingeladenen zu empfangen ; in einem besonderen Zimmer stehenErfrischungen für diejenigen bereit, die von weiter her kommen. DieTeilnehmer an dem Leichenzug sind alle schwarz gekleidet. Voraus gehendie Männer, darauf folgen die Frauen. Zwischen dem Zuge der Männerund dem der Frauen ist gewöhnlich ein grosser Zwischenraum; dieersteren gehen unmittelbar hinter der Leiche, die von sechs Männerngetragen wird, und marschieren im kräftigen Schritt einher. Die Frauenaber, die ohnehin' von der Aufregung und dem Kummer niedergebeugtsind, vermögen damit nicht Schritt zu halten und bleiben etwas zurück.Es würde geradezu gegen den guten Ton verstossen, wenn die Frauensich unmittelbar an die Männer anschlössen ; ihr Schmerz darf es ihnengar nicht erlauben, so rasch zu gehen.