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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS

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Einwohnerschaft zieht mit wehenden Fahnen durch die Felder, ringsum die Bannmeile des Dorfes, um Gott zu bitten, er möge die Früchtesegnen und die Flur vor Unwetter bewahren. Zu den beiden Seitendes Weges bewegt sich der endlose Zug langsam dahin; an der Spitzewird ein Kreuz getragen, das von Chorknaben mit Klingeln in der Hand,begleitet wird, dann kommen zuerst die kleinen Knaben und die jungenBurschen, darauf die kleinen und die älteren Mädchen, alsdann die ver-heirateten Männer, zwischen denen der Pfarrer mit den Kirchensängerneinherschreitet, die Frauen bilden den Schluss. Jeder Gruppe wird eineFahne mit besonderer Farbe vorangetragen; grün bei den Burschen,weiss bei den Mädchen, rot bei den Männern und violett bei den Frauen.Diese schweren Fahnen zu handhaben ist keine Kleinigkeit, namentlichwenn ein starker Wind geht; die Träger, die gewöhnlich aus den jung-verheirateten Männern ausgelost werden, pflegen auch einen besonderenStolz darein zu setzen, mit einer einzigen Hand die schwere Last sicherzu tragen.

Begreiflicher Weise geben die kirchlichen Feste auch Anlass zuVeranstaltungen recht weltlicher Art. So gönnen sich an den Patrons-festen auch die ärmeren Leute einen besonderen Genuss: eine PlatteFleisch, einen Kuchen und einen Schluck guten Weins, während sonstdie Mahlzeiten gar einfach ausfallen. Ebenso äussern Weihnachten undOstern ihren Einfluss auf die Küche, und zwar sind an jedem dieserFeste ganz besondere Speisen üblich; es würde unbedingt etwas fehlen,wenn es an Weihnachten nicht Blut- oder Bratwürste gäbe, oder wennan Ostern nicht Backwerk in Form von Lämmern, Milchbrot und harteEier aufgetischt würde.

Ausser dieser hohen Festtagen giebt es dann noch kleinere Kirchen-feste, die offiziell nicht mehr gefeiert werden; gerade sie sind aber mitmanchen merkwürdigen Gebräuchen verknüpft. So vor allem das Drei-königsfest. Die hübsche Geschichte von den drei Magiern, die voneinem geheimnisvollen Stern bis zu dem schlichten Stall geführt werden,wo der Heiland zur Welt gekommen ist, war recht geeignet, die Phantasiedes Volkes zu beschäftigen. Die drei Könige werden denn auch allent-halben verehrt, und die Namen Caspar, Melchior und Balthasar spieleneine grosse Rolle. In manchen Gegenden ist es Sitte, die drei Anfangs-buchstaben C. M. B. zum Schutze gegen Feuersgefahr über die Thürenzu schreiben. Auch der Brauch des Dreikönigskuchens mit der Bohne