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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS

und besichtigen den Röhrenbrunnen, in welchen der Pfingstpfliterigeworfen wird. Hierauf holen sie denselben ab. Der Pfingstpfliteri, einBursche, ist mit einem Kleide angethan, welches mit Schneckengehäusenbedeckt ist. Er sitzt auf einem Wagen, welcher von zwei Eseln gezogenwird. Unter dem Gelächter der ihm nachfolgenden Dorfjugend gelangter zum Röhrenbrunnen. Hier angekommen, leert der Pfingstpfliteri aufdas Wohl der zahlreichen fremden Zuschauer eine Flasche Wein. Alsdannrichtet er an sie einige scherzhafte Fragen. Auf die Fragen eines derRitter, welche den Brunnen umstehen, giebt er scherzhafte Antworten.Dann läuft der Pfingstpfliteri auf dem Brunnentrog herum. Ein Rittergiebt ihm einen Stoss und er fällt in den Brunnen. Alsdann wird erherausgezogen. Ein Ritter sagt zu ihm: «Du bist auswendig nass, dumusst auch inwendig nass werden.» Er wird sodann genötigt, fleissigzu trinken. Dies geschieht dreimal. Alsdann sammeln die Ritter Geld,welches der Pfingstpfliteri bekommt . 1

In Osthausen, bei Erstein, pflegten früher die jungen Burschen amPfingstmontag ein förmliches Pferderennen durch die Felder zu ver-anstalten ; wer das beste Pferd hatte, bekam als Preis einen Blumenstrauss.

Dabei mag daran erinnert werden, dass auch die bekannten Pferde-rennen von Schleithal immer am Pfingstmontag stattfinden, unter grossemZulauf der Bevölkerung von nah und fern. Heutzutage haben es dieseSchleithaler Rennen zu einer wahren sportlichen Berühmtheit gebracht;ursprünglich aber werden auch sie wohl nichts anderes gewesen seinals einfache Pferderennen, die sich die jungen Leute des Dorfes amPfingstmontag leisteten.

Endlich muss noch einer letzten besonderen Pfingstsitte gedachtsein, der Aufrichtung von Bäumen, die mit grösserer oder geringererFeierlichkeit im Gemeindewalde geholt werden : die Pfingstmaien. DieserBrauch war früher im Untereisass, in der Gegend von Weissenburg,ganz allgemein verbreitet. In Niedersept bei Altkirch dagegen gingenfrüher die Frauen am Pfingstmontag in den Wald und begannen einengrossen Eichbaum umzuhauen ; die Männer vollendeten dann die Arbeit,und der gefällte Baum wurde verkauft. An dem genannten Tage habendort die Frauen das Recht, den Männern ihre Kappen wegzunehmen,ohne dass diese etwas einwenden dürfen.

1 Jahrbuch des Vogesen-Clubs, VI., S. 167.