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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
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153
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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS

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dann der Reibe nach die zwölf Monate des Jahres ; beim GlockenschlageZwölf werden sie nun sorgfältig untersucht; in den einen von ihnenist das Salz zergangen die entsprechenden Monate werden feuchtund nass sein ; in den andern ist das Salz trocken geblieben dasgiebt die schönen trockenen Monate. Ein überaus einfaches Verfahren,wie man sieht. Noch ein anderes Mittel, um ohne viel Unkosten Wetter-prophet zu werden : man schreibt sich genau das Wetter auf, das anden ersten zwölf Tagen nach Weihnachten eintritt; schneit es am erstenTag, so wird es den ganzen Januar schneien ; ist am zweiten Tag schönesWetter, so wird das Gleiche im Februar der Fall sein ; regnet es amdritten Tag, so giebt es einen regnerischen März und so geht es weiteralle zwölf Monate hindurch. Auch dieses Mittel ist gewiss so einfachwie nur möglich. Eine andere sehr verbreitete Gewohnheit besteht darin,während der Christnacht die Bäume mit einem Strohband zu umwinden ;alsdann werden dieselben reichlicher Früchte tragen und niemals von einemSturmwind umgerissen werden. Will ein junges Mädchen wissen, wensie einmal heiraten wird, so braucht sie nur folgendes zu thun : sie betetfünf Vaterunser, geht dann zu einer Wittwe und bittet sie um einenApfel; diesen schneidet sie in vier Stücke, die sie nach der Mitternachts-messe vor dem Schlafengehen isst; sie wird dann vortrefflich schlafenund im Traume wird sich ihr Zukünftiger vorstellen. Oder es möchteendlich jemand die Hexen des Ortes gerne kennen lernen : man nimmtden Zahn von einer Egge, den man einmal gefunden hat, und bohrt einLoch durch ; in der Mitternachtsmesse blickt man im Augenblick derWandlung durch dieses Loch auf den Altar, worauf die in der Kirchebefindlichen Hexen sich mit einem Ruck umwenden werden; nur mussman sich dann auch rechtzeitig aus dem Staube machen, denn wennman nicht vor Ende der Messe wieder zu Hause ist, so fällt manunfehlbar den empörten Hexen zum Opfer, die man soeben auf soeinfache Weise entdeckt hat.

Zahlreiche sonstige Gebräuche und vielfacher Aberglauben knüpfensich noch an den Weihnachtstag und die heilige Nacht ; wir haben hiernur die am allermeisten verbreiteten hervorheben wollen, die man imganzen Eisass und wahrscheinlich auch in zahlreichen andern Ländernantrifft.

Es ist nun eigentlich selbstverständlich, dass an diesem Tage dieKinder nicht leer ausgehen, wenn man, wie wir gesehen haben, sogar

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