TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS
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« In Spachendorf (Oesterr.
Schlesien) wird ein mitSchafspelz und Pudelmützebekleideter Strohkerl amMorgen des Rupertstages(27. März) auf einer Stangebefestigt aufs Feld getragenund in eine weite Grubegestürzt, dann entkleidet undin ein Feuer geworfen. Vonden brennenden Lumpenhascht jeder ein Stück, bin-det es an den Ast des gros-sen Obstbaumes oder gräbtes im Acker ein, damit Bäumeund Saaten besser gedeihen.»
«Zu Cobern an der Eifelwird am Fastnachtsdienstageein völlig bekleideter Stroh-mann, dem man sämtlicheDiebstähle der Umgegendzur Last legt, vom Fastnacht-gericht verurteilt und auf einem Scheiterhaufen verbrannt, über den diejüngste Ehefrau springt, d Und aus der Gegend von Schlackenau (Kr.Leitmeritz, Böhmen) berichtet Mannhardt: «.Die Volksmenge verfolgteinen Mann, der so vermummt ist, dass er das Ansehen eines Wildenerhält, durch mehrere Strassen, bis ein vorgezogener Strick ihn aufhält.Er wird gefangen; der Scharfrichter durchbohrt die blutgefüllte Blase,welche der Wilde vor den Leib gebunden hat, mit seinem Schwert, undder Wilde stirbt, indem ein Strom von Blut die Erde rötet. Nunwird er auf einen Schlitten (oder eine Bahre) gelegt und fortgetragen. Amnächsten Tage wird eine ihm ähnliche Strohpuppe unter zahlreicherBegleitung zu einem Teiche getragen und ertränkt».
Ein Gegenstück dazu bildet das Argeerfest, das im alten Rom amij. Mai gefeiert wurde. An diesem Tage trug man 24 aus Stroh oder
Hof eines Bauernhauses in Mietesheim. 1
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Die hintere Mauer ist mit Inschriften versehen.