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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS
Binsen in Menschengestalt geflochtene, mit Schmuck und Kleidernversehene, an Händen und Füssen zusammengebundene Puppen (dieVertreter der 24 Stadtbezirke) zum Pons sublicius, von wo die Schar dervestalischen Jungfrauen dieselben in den Tiberstrom hinabstiess. Einealte Sage meldete: es seien das früher Menschen gewesen, an derenStelle später Strohpuppen getreten
Wir denken, die angeführten Beispiele genügen, um die Bedeutungund die Entwickelung der Volksfeste erkennen zu lassen, von denenbisher die Rede gewesen ist. Wir wenden uns nunmehr einer anderenArt solcher Belustigungen zu, den Erntefesten, bei denen sich gleich-falls unschwer darthun lässt, dass sie bis auf die ältesten Zeiten zurück-gehen.
Ob es sich um Weintrauben, um Heu oder Getreide handelt, überallpflegt man die Erntearbeiten mit einer kleinen Festlichkeit abzuschliessen,die in früheren Zeiten in einem Gastmahle gipfelte, das für die Arbeiterveranstaltet wurde; heutzutage wird statt dessen gewöhnlich eine gewisseGeldsumme verteilt.
Ich erinnere mich noch recht gut, dass in meiner Jugend der letzteTag der Weinlese sich zu einem wirklichen Freudenfeste gestaltete, dasdraussen im Rebgarten seinen Anfang nahm und zu Hause sein Endeerreichte. Uebermässig elegant und von dem feinsten Geschmacke wardie ganze Veranstaltung allerdings nicht : die Winzerinnen erinnertendabei keineswegs an die reizenden Schäferinnen von Watteau, und ebensohatten die Winzer mit den Bauern von Trianon nichts gemein. Brave,starkknochige Frauen und lachlustige Mädchen, die vor den gesalzenenSpässen ihrer männlichen Arbeitsgenossen nicht zurückschreckten, ver-sammelten sich nach geschehener Arbeit um die letzte mit Weintraubengefüllte Bütte. Die Schuhe schwer von dem gelben Erdboden desWeinbergs, grobe leinene Hemdärmel an den kräftigen Armen, ausge-franzte Tücher mehrfach um die Hüften geschlungen, ein zweifelhaftesHalstuch auf dem Kopfe — so präsentierte sich die Damenwelt; danebenaber standen die kräftigen, lustigen Gesellen mit bespritzten Gamaschen,eine kleine geflickte Schürze eng um den Leib geschlungen, in eine Artvon dichtem Winterrock gekleidet, den man auf dem Rücken ausstopfenliess, um das schwere Gewicht der Bütte leichter zu tragen, die man
1 Pfannenschmidt, « Germanische Erntefeste », S. 596.