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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
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180
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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS

Herbst gut ausgefallen war; andernfalls tröstete man sich mit derHoffnung, dass der nächste um so besser werde. So hat man damalsbei uns den Herbst abgeschlossen, und es unterliegt keinem Zweifel,dass das eine ganz vortreffliche Einrichtung war : das herzliche Einver-nehmen, das gemütliche Zusammensein der Arbeiter mit ihrem Herrnwar ungleich mehr wert als alle die sozialen Phrasen, die heutzutagein den Spalten der Zeitungen wie in den Parlamenten gemacht werden.

Auch die Heuernte und die Getreideernte werden in einigenGegenden des Elsasses mit einer gewissen Festlichkeit beschlossen. Beidiesen beiden Arbeiten pflegen die Frauen ein besonderes Kostüm zutragen: über dem Rocke binden sie eine glänzend weisse Schürze um;das Hemd aus grober Leinwand weist auf der Brust die rotgesticktengrossen Anfangsbuchstaben des Namens auf; den Kopf bedeckt einStrohhut, der mit Bauschen aus scharlachroter Wolle verziert ist. Diesehübsche Kleidung nimmt sich besonders dann gut aus, wenn noch einroter Rock, wie in Geispolsheim oder ein grüner, wie in einigenprotestantischen Dörfern, dazukommt.

Wenn das Heu getrocknet ist, wird es mit einer gewissen Feier-lichkeit heimgebracht. Die Wiesen liegen immer ziemlich beisammen,und die verschiedenen Eigentümer verständigen sich unter einander,mit dem Schnitt an ein und demselben Tage anzufangen, so dass auchdas Einfahren des Heues zu gleicher Zeit erfolgen kann. Alsdann ziehtauf den Strassen eine unabsehbare Reihe von schwerbeladenen Wagendahin, mit Laubwerk geschmückt; hoch oben auf dem Heu lachen undsingen die Frauen, während die Fuhrleute wetteifern, wer am stärkstenund kunstvollsten mit der Peitsche zu knallen versteht.

Ebenso wird auch für die Getreideernte von den Frauen förmlichToilette gemacht. Dabei hat sich namentlich im Sundgau ein sehrmerkwürdiger, uralter Brauch erhalten. Wenn man das Getreidefeldschneidet, lässt man einige wenige der schönsten Aehren stehen, die densogenannten «Glückshampfala^ abgeben sollen. Ist dann die ganze Arbeitvorbei, so knien Vater und Mutter, Arbeiter und Kinder um diese unver-sehrt gebliebener Aehren herum und beten laut fünf Vaterunser und AveMaria. Nach dem Gebete nimmt eines der Kinder eine Sichel und schneidetmit drei Schnitten — zu Ehren der heiligen Dreifaltigkeit — den Glücks-hampfala ab, in dem man vorher noch einige Geldstücke und etwasBackwerk versteckt hat. Alsdann wird der Glückshampfala feierlich nach