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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
Entstehung
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185
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TRACHTEN

Kaum hatte er das letzteWort ausgesprochen, dasprangen ihm die Katzenins Gesicht und richtetenihn am ganzen Körper mitihren Krallen jämmerlichzu, so dass er einen Monatlang das Bett hüten mussteund nur durch die Be-sprechung eines erfahrenenHexenmeisters wieder ge-sund wurde.

Auch die Geschichtevon dem «wilden Jäger»ist im ganzen Eisass ver-breitet und wird überallziemlich übereinstimmenderzählt. Einige Spinnerinnengingen eines Abends zusehr vorgerückter Stundeheim. Kaum waren sie aufder Strasse, da hörten sie schreckliches Geschrei, vermischt mit Hunde-gebell und Hörnerschall: «Hustata, Hustata.» Das war die wilde

Jagd, die nicht sehr weit von ihnen durch die Luft brauste. Da sie ingrosser Zahl waren, so fassten sie bald wieder Mut und schrien aus Mut-willen auch ihrerseits: «Hustata, Hustata!» Aber siehe da, mit Schre-cken mussten sie wahrnehmen, wie die wilde Jagd nicht mehr in derbisherigen Richtung sich weiter entfernte, sondern sich ihnen plötzlichwieder näherte. Immer mehr nahm das Geschrei an Kraft zu,und die entsetzten Frauen hörten es schon sozusagen dicht vorihren Ohren. Sie konnten gerade noch in das Haus zurücktreten,das sie eben verlassen hatten, und warfen sich auf die Knie, dasGesicht in den Händen verborgen; eben fingen sie an zu beten, alsein gewaltiger Windstoss das Fenster aufriss und eine schrecklicheStimme ertönte: «Da habt ihr Euren Anteil von meiner Jagd, nach-dem ihr uns habt helfen wollen!» Und gleichzeitig ward ein Haufenvon halb abgenagten Knochen und blutigen Fleischfetzen herein-

S1TTEN IM ELSASS

Elsässischer Gussofen mit biblischen Bildern geschmückt.

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