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Trachten und Sitten im Elsass / Text von A. Laugel ; Illustrationen von Ch. Spindler
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189
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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS

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sie, mit schweren Feldsteinen beladen, ihre einstigen Felder umkreisen.So erzählt man aus Obersulzbach folgende Geschichte': «.Auf einerWiese wird oftmals ein feuriger Mann gesehen. Mehrere Jünglingedes Dorfes fassten den Entschluss, diesen feurigen Mann einmal näherzu sehen und ihn nach seinem Begehr zu fragen. Als er nun einesAbends sich wieder an^der gewöhnlichen Stelle sehen liess, liefen dieJünglinge auf ihn zu. Als sie aber nahe bei ihm waren, verloren siealle, bis auf einen , den Mut und kehrten um. Letzterer trat anden feurigen Mann heran und sprach Folgendes zu ihm: Alle gutenGeister loben Gott den Herrn und ich auch welches ist deinBegehr? Der feurige Mann entgegnete: Gehe nach Hause! Im Haus-flur wirst du eine Schaufel und eine Hake finden; hole sie her! DerJüngling that, wie ihm befohlen. Als er wieder zurückkam, zeigteder feurige Mann auf einen Grenzstein und sagte: Setze diesen Steinhier hin! Als das geschehen war, sprach er zum Jüngling: Ich bindein Taufpate; nun bin ich durch dich ein Kind der Glückseligkeit, undin kurzer Zeit wirst du auch ein solches sein. Hiernach verschwander ; kurz darauf aber starb der Jüngling.»

So reiht sich eine spannende Geschichte an die andere bis zu demAugenblicke, da man die Spinnräder bei Seite setzt, um sich mit mehroder minder harmlosen Spielen zu belustigen.

Von den Spielen, die am häufigsten getrieben werden, mögenhier folgende angeführt sein :

Baumwolle blosen.

Es setzen sich alle Anwesenden dicht um den Tisch herum. Sodannwirft einer ein Stückchen Wolle oder Watte auf denselben. Jedersucht es von sich weg zu blasen, so dass es plötzlich an allen Eckenund Enden herumfliegt. Fällt es dabei zur Erde, so muss derjenige,an dessen rechter Seite es durchging, ein Pfand geben. Die Pfänderwerden später wieder eingelöst, und dabei spielen die Küsse als Löse-preise die Hauptrolle ; deshalb ist dieses Spiel auch eines derbevorzugtesten.

Mehl schneiden.

Man füllt eine Schüssel mit Mehl, thürmt dasselbe hoch auf undsetzt, oben auf die Spitze einen Fingerhut. Der Reihe nach schneidet

«Jahrbuch des Vogesenklubs», J. VIII, S. 178