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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS
sei es nun, dass sie dazu die Aushöhlungen benutzten, die sich aufnatürlichem Wege im Laufe der Zeiten gebildet hatten, sei es dasssie selbst mit ihren unentwickelten Werkzeugen die schwere Arbeitdieser Aushöhlungen besorgten. Später, als man bereits über bessereArbeitsmittel verfügte, hat man vollständige Wohnungen aus demFelsgestein heraus gehauen, wovon wir auch heutzutage noch einigeBeispiele besitzen: im Graufthal wohnen ganze Familien als moderneTroglodyten in einer Art von geräumigen Löchern, die tief in dieFelsen eingegraben sind.
Stellt man sich nun vor, dass dieses atavistische Bedürfnis, inden Felsen Zuflucht zu suchen, bei reichen und mächtigen Leutensich einstellte, so kommt man ohne Schwierigkeit zu der Erklärungdieser merkwürdigen Burgen, die sich so zahlreich auf den unter-elsässischen Bergen finden und die uns selbst in ihrem Zerfall nochBewunderung einflössen. Die einsamen, trotzigen Felsen sind diegegebene Wohnung des Edelmanns, das war offenbar die Vorstellung,die diese adeligen Flerren des Mittelalters von ihren Vorfahren über-nommen hatten, die in noch wilderen Zeitläufen lebten. Indem sienun mit aller Kraft an die praktische Verwirklichung dieser Anschauunggingen, wussten sie mit erstaunlicher Geschicklichkeit die gegebenenVerhältnisse für ihre Zwecke zu verwerten: man höhlte den Fels nachallen Richtungen aus, legte Schlupfwinkel und geheime Treppen an,grub tiefe Keller und nutzte überhaupt alles zur Befriedigung dervorliegenden Bedürfnisse aus. Es ist also kein allzu grosser Unter-schied zwischen dem Barbaren, der einst in grauer Vorzeit unter demüberhängenden Fels eine Zufluchtstätte für seine Familie geschaffenhatte, und dem stolzen und mächtigen Herrn der späteren Zeit, derdurch seine Dienstleute einen Gang in den Fels bohren liess, auf demer durch seine Maurer eine Veste erbauen zu lassen, beschlossen hatte.
Hoh-Barr ist das letzte Schloss, das ursprünglich noch einige vondiesen eben besprochenen Eigentümlichkeiten besessen haben muss.Südlich von Zabern nimmt der Bau dieser feudalen Vesten einenanderen Karakter an: der Fels, auf dem auch sie vielfach noch erbautsind, ist einfach als Verteidigungsmittel zur Verstärkung des Schutzesausgenutzt, bildet aber nicht mehr, selbst einen Teil der baulichenAnlage. Eine stark befestigte Thüre, sogar für Lasttiere zugänglich,bildet den Eingang. Die eigentliche Architektur spielt jetzt eine