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TRACHTEN UND SITTEN IM ELSASS
französisch gesprochen; deutsch ist so gut wie ganz unbekannt. Hierfindet sich auch die einzige protestantische Bevölkerung des Elsasses,die französisch spricht, um so auffallender, als es hier — in der Um-gegend von Salm und Bourg-Bruche — viele Höfe oder Weiler mitfranzösischen Namen (Rambois, Evreuil u. s. w.) giebt, die von deutschenWiedertäufern bewohnt werden. Im oberen Breuschthal ist also offen-bar die deutsche Sprache durch die französische verdrängt worden;aber die französische protestantische Bevölkerung hat eine Anzahl vondeutschen Wiedertäuferfamilien herangezogen, die sich durchweg aufeinzelnen Gehöften mit französischen Namen am Abhange der Bergeniedergelassen haben.
Wenn wir vom Breuschthal aus der Sprachgrenze nach Süden folgen,stossen wir auf Steige, wo man jetzt nur französisch spricht, wo aberdas Deutsche noch zu Anfang des 19. Jahrhunderts gesprochen wurde;auch der Ortsname selbst ist ja rein deutschen Ursprungs. This bemerktin seinem Buch über diesen Gegenstand, dass die Aufschriften im Kirch-hof alle französisch sind, bis auf ein altes Grabmal aus dem Jahre 1720,was wiederum auf eine Verdrängung der deutschen durch die fran-zösische Sprache schliessen lässt 1 . Der Höhenzug zwischen den beidenGiessen-Thälern wird von der Sprachgrenze überschritten; das Fran-zösische dringt durch ein kleines Seitenthal in das Thal von Urbeisein bei Fouchy (auf deutsch: Grube); Bassenberg ist noch deutsch, inBreitenau scheint das Französische allmählich die Oberhand zu ge-winnen.
Von Fouchy kommen wir über Froide-Fontaine, Froide-Goutelleund Pierreuse-Goutte nach Deutsch-Rumbach, wo trotz des deutschenOrtsnamens überwiegend Patois gesprochen wird. Die Kirchhofauf-schriften sind französisch, es finden sich aber viele deutsche Namendarunter, manche in französischer Schreibweise. Letzteres trifft manauch sonst öfter an; so zum Beispiel Houtmann in Steige, Bloum inBeimont. Von Deutsch-Rumbach gelangen wir endlich in das Leber-thal, nach Leberau.
Hier im Leberthal dringt, wie schon erwähnt, die französischeSprache nicht weit über die Wasserscheide des Gebirges oder die
Constant This «Die deutsch-französische Sprachgrenze im Eisass», Strassburg i 838 (Beiträgezur Landes- und Volkeskunde von Elsass-Lothringen, V. Heft), S. 26.